Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Baby-led Weaning und Verschlucken – erste grundlegende Studie zum Thema

Anlage zum Newsletter November 2016

A Baby-Led Approach to Eating Solids and Risk of Choking
L. Fangupo, A. Heath, S. Williams, L. Erickson Williams, B. Morison, E. Fleming, B. Taylor, B. Wheeler, R. Taylor. Pediatrics Sep 2016, e20160772; DOI: 10.1542/peds.2016-0772

In den letzten Jahren wird die Beikosteinführung erfreulicherweise immer häufiger als individueller Weg betrachtet und festgelegte Pläne mit genauen Zeit- und Mengenangaben gelten weitgehend als überholt. Die meisten offiziellen Empfehlungen der Fachgesellschaften halten jedoch bisher am Konzept der Breifütterung fest und stehen der Idee des Baby-led Weanings (BLW) kritisch gegenüber. Die BLW-Methode sieht vor, Kindern ab dem Alter von ca. 6 Monaten von Beginn an nur Nahrung anzubieten, die sie selbst greifen, zum Mund führen und anschließend mit Zunge und Gaumen zerdrücken können. Kritiker des Konzepts haben häufig Sicherheitbedenken und glauben, dass Kinder mit dieser Methode einem erhöhten Risiko für Verschlucken/Aspiration ausgesetzt werden.

Eine aktuelle Studie aus Neuseeland hat sich nun intensiv mit genau dieser Fragestellung auseinandergesetzt. Die bereits 2013 begonnene randomisierte Studie entwarf dafür das BLISS-Konzept (Baby-Led Introduction to SolidS), das die Notwendigkeit von Sicherheitsmaßnahmen und einer verantwortungsvollen Nahrungsmittel-Auswahl betont. Beispielsweise empfiehlt das BLISS-Konzept, mit der Beikosteinführung bis zum 6. Monat zu warten, Babys nur aufrecht sitzend und nur in Begleitung eines Erwachsenen essen zu lassen und niemals Nahrungsmittel in den Mund des Babys zu stecken, sondern stets ihm selbst Auswahl und Tempo zu überlassen. Angebotene Nahrungsmittel sollten in großen Stücken portioniert sein, so dass das Baby sie gut greifen kann, zudem müssen sie weich genug sein, dass sie gut mit der Zunge zerdrückt werden können. Kleinstückige Nahrungsmittel wie Nüsse, feste Beeren oder Popcorn sollten vermieden werden.
Die Forscher schulten die Eltern auch in Bezug auf das Erkennen und Unterscheiden zwischen der natürlichen Aktivierung des Würgereflexes und dem tatsächlichem Verschlucken bzw. einer Aspirationsepisode.

Es zeigte sich, dass für Kinder, die nach dem BLISS-Konzept an die Beikost herangeführt wurden, kein erhöhtes Risiko des Verschluckens/Aspirierens besteht. Die BLISS-Kinder aktivierten ihren Würgereflex mit 6 Monaten häufiger, mit 8 Monaten jedoch seltener als Kinder der breigefütterten Kontrollgruppe, außerdem wurden sie auch mit 11 Monaten noch doppelt so häufig von einem Elternteil beim Essen begleitet wie Kinder der Kontrollgruppe.

Die Studie ist → hier komplett und frei verfügbar.

Anmerkungen des Europäischen Instituts für Stillen und Laktation:

Die BLISS-Methode deckt sich aus unserer Sicht mit den Empfehlungen, die typischerweise im deutschsprachigen Raum zur BLW-Methode gegeben werden. Dass die neuseeländischen Forscher "normales BLW" von BLISS abgrenzen, ist dort offenbar einer speziellen Interpretation des Begriffs BLW geschuldet, bei dem die für uns selbstverständlichen Sicherheitserwägungen keine Rolle spielen.

Wir unterstützen uneingeschränkt den verantwortungsvollen und sicheren BLISS-Weg, der hierzulande schlicht als Baby-led Weaning/ BLW oder auch "Beikost nach Bedarf" praktiziert wird. Diese individuelle und achtsame Form der Beikosteinführung stellt aus unserer Sicht eine natürliche Fortsetzung des Stillens nach Bedarf dar und kann flexibel durch zusätzliche Angebote von Brei/ pürierter Kost ergänzt werden.

© November 2016, Anja Bier (IBCLC) für den Newsletter des Europäischen Instituts für Stillen und Laktation