Europäisches Institut für Stillen und Laktation

CMV und HIV

Autorin: Gudrun von der Ohe, Ärztin und IBCLC, Hamburg

Virusinfektionen in der Stillzeit

Die meisten Viruserkrankungen werden nicht durch die Muttermilch auf das Kind übertragen, sondern durch Einatmen oder durch Haut- bzw. Schleimhautkontakt. Infektionen von der Mutter zum Kind sind meist vertikale Übertragungen und können in der Schwangerschaft, bei der Geburt oder während der Stillzeit auftreten. Da Viren intrazellulär leben und Muttermilch Zellen enthält, gibt es auch Übertragungen durch die Muttermilch mit unterschiedlichem Risiko für das Kind.

Berücksichtigt werden muss dabei, ob sich die Mutter vor, während oder nach der Schwangerschaft infiziert hat. Erkrankt die Mutter, werden die von der erkrankten Mutter gegen den aktuellen Infekt gebildeten unspezifischen und spezifischen Antikörper zeitgleich über die Muttermilch an das Kind weitergegeben. Somit ist das Kind vor diesen Erkrankungen geschützt (besonders ausgeprägt z.B. bei viraler Darminfektion durch Rota-Viren). Unterbricht man in diesem Fall das Stillen, erkrankt das Kind unter Umständen eher. Hinzu kommen noch die allgemeinen Risiken der Formulanahrung, wenn nicht gestillt wird.

Viren werden sicher mit Pasteurisieren abgetötet, nicht aber durch Einfrieren. Durch Einfrieren wird lediglich die Virenanzahl verringert, die Infektiosität kann jedoch nach dem Auftauen durch veränderte immunologische Eigenschaften der Muttermilch ansteigen. Pasteurisieren (62,5°C für 30 Minuten) verändert andererseits die biologischen Eigenschaften der Muttermilch, ist aber dennoch eine bessere Alternative als Formulanahrung.

Zytomegalie Virus (CMV)

Das CMV-Virus geht über die Muttermilch auf das Kind über, daher wirft der Umgang mit CMV-infizierten Müttern bezüglich der Empfehlung zum Stillen einige Fragen auf.

Eine CMV-Infektion des Kindes peri- oder postnatal mittels Blut, Zervixsekret oder Muttermilch über die Mutter ist für reifgeborene Kinder unproblematisch, verläuft asymptomatisch und erfordert keinerlei Einschränkung des Stillens. Bereits vor der Geburt intrauterin infizierte Kinder können ebenfalls uneingeschränkt gestillt werden, selbst wenn sie zu früh oder mit sehr geringem Geburtsgewicht geboren werden sollten - die Infektion hat in diesem Fall bereits stattgefunden.

Für die spezielle Gruppe der nicht intrauterin infizierten Frühgeborenen (jünger als 32. SSW oder leichter als 1.200g bzw. 1.500g) gibt es bislang keine international einheitlichen Empfehlungen. Diese Kinder sind besonders gefährdet, da sie noch nicht über eine ausreichende Immunkompetenz verfügen und auch keine passive Immunisierung über die Plazenta erhalten haben. Deshalb wird in vielen Krankenhäusern die Muttermilch für diese Kinder pasteurisiert oder eingefroren.

An einigen Kliniken geht man in der Zwischenzeit jedoch neue Wege: auch sehr kleine Frühgeborene erhalten dort nach Absprache die unbehandelte Muttermilch ihrer CMV-infizierten Mutter und die Ergebnisse sind vielversprechend. Prof. Bernhard Resch von der Universität Graz hat dazu in der Zeitschrift Pädiatrie & Pädologie einen Übersichts-Artikel veröffentlicht, den er uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat:

Eine Anfang 2015 erschienene Studie der Universität Innsbruck beschäftigte sich ebenfalls mit der Frage, ob eine CMV-Übertragung durch Pasteurisierung der Muttermilch übertragen werden kann und falls ja, ob dadurch andere Risiken entstehen könnten. Wir stellen Ihnen eine ausführliche Zusammenfassung der Studie zum Download zur Verfügung:

LESEN SIE WEITER

Ein ausführlicher Artikel zum Thema CMV und Stillen steht Ihnen zum Download zur Verfügung. Darin enthalten sind auch Verlinkungen auf aktuelle Empfehlungen der Nationalen Stillkommission sowie der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin (GNPI), außerdem höchst aktuelle Entwicklungen im Forschungsbereich rund um die Behandlung von abgepumpter Muttermilch, um sie den gefährdeten Frühgeborenen zur Verfügung stellen zu können.

Humanes Immundefizienz Virus (HIV)

Eine HIV-Infektion kann heute mittels spezieller Medikamente über lange Zeit erfolgreich "in Schach" gehalten werden, wodurch die Erkrankung AIDS, die aus der Infektion folgt, nicht mehr zwingend tödlich verläuft.

Das HI-Virus kann von einer infizierten Mutter in der Schwangerschaft, unter der Geburt und im Prinzip auch über die Muttermilch auf das Kind übertragen werden. Auch eine Übertragung durch Risse an der Brustwarze (Blut) unter dem Stillen ist denkbar. Daher empfiehlt die WHO derzeit Müttern unterschiedliche Strategien bezüglich des Stillens, je nach Region in der sie leben und ob ihnen eine ausreichend hygienische Trinkwasserversorgung zur Verfügung steht.

LESEN SIE WEITER

Ein ausführlicher Artikel, indem auch auf die neuen Untersuchungen bezüglich HIV und Muttermilch eingegangen wird, steht Ihnen zum Download zur Verfügung. Interessant ist z.B. die Entdeckung von Antikörpern gegen HIV im Kolostrum. Im Artikel enthalten sind auch Verlinkungen auf aktuelle Empfehlungen der deutschsprachigen Fachgesellschaften sowie neuerer Studien zum Thema Stillen und HIV/ AIDS.

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