Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Tuberkulose

Autorin: Gudrun von der Ohe, Ärztin und IBCLC, Hamburg

Tuberkulose in Schwangerschaft und Stillzeit

  • Es ist keine Trennung von Mutter und Kind erforderlich
  • Stillen ist uneingeschränkt möglich, Tuberkulose wird nicht über die Muttermilch übertragen
  • Die Mutter sollte in der ansteckenden Phase einen Mundschutz tragen und auf gute Handhygiene achten
  • Mutter (und im Bedarfsfall auch das Kind) werden medikamentös behandelt

Die Tuberkulose gehört neben HIV und Malaria zu den ...

... weltweit häufigsten Infektionserkrankungen. Sie wird durch das Mycobacterium tuberculosis ausgelöst und in aller Regel durch das Einatmen von infektiösen Tröpfchen (Aerosolen) von Mensch zu Mensch übertragen. Im Erwachsenenalter sind mehr Männer als Frauen betroffen. Die Tuberkulose betrifft mit 76 Prozent meistens die Lunge, kann aber auch in jedem anderen Organ auftreten.

In Deutschland steigen nach einem langjährigen Abwärtstrend die Erkrankungszahlen in den letzten Jahren wieder an. Die Häufigkeit bei ausländischen Staatsbürgern ist 13 Mal so hoch wie in der deutschen Bevölkerung (Inzidenz 33,6 zu 2,5). Da die Gruppe der Asylsuchenden aufgrund der Migration unter belastenden Bedingungen, eines möglicherweise fehlenden oder unvollständigen Impfschutzes und der Enge in den Aufnahmeeinrichtungen besonders anfällig für Infektionen ist, stellt diese Gruppe derzeit entgegen der verbreiteten Auffassung keine erhöhte Gefahr für die Allgemeinbevölkerung dar, sondern ist im Gegenteil besonders gefährdet (Rober-Koch-Institut 2015).

Tuberkulose gehört zu den meldepflichtigen Erkrankungen:

Laut Infektionsschutzgesetz (IFSG) muss der behandelnde Arzt oder das Krankenhaus eine Erkrankung oder den Tod namentlich dem zuständigen Gesundheitsamt melden. Das Gesundheitsamt veranlasst nach der Meldung eines Falles von Tuberkulose eine Umgebungsuntersuchung. Auch ist zu melden, wenn Personen, die an einer behandlungsbedürftigen Lungentuberkulose leiden, eine Behandlung verweigern oder abbrechen.
In der Praxis bedeutet dies, dass Hebammen und Still- und Laktationsberaterinnen IBCLC bei Verdacht auf Tuberkulose einer Klientin diese zum Hausarzt oder Lungenfacharzt schicken müssen, und dass bei der Betreuung der Familien auf die Medikamenteneinnahme geachtet werden sollte.

Ohne Behandlung sterben auch heute noch etwa 50 Prozent ...

... der Erkrankten. Etwa 25 Prozent erleiden einen Rückfall, und nur bei etwa 25 Prozent der Erkrankten kommt die Tuberkulose zum Stillstand. Die Behandlung ist unabhängig davon notwendig, ob eine offene oder geschlossene Tuberkulose vorliegt.
Ist eine Schwangere an einer Tuberkulose erkrankt und wird sie nicht behandelt, kann es zu einer angeborenen Infektion des Säuglings durch eine vertikale Übertragung kommen.
Eine an Tuberkulose erkrankte Schwangere kann genauso behandelt werden wie jede andere Frau, lediglich Streptomycin ist kontraindiziert. Bei Gabe von Isoniazid sollte zusätzlich Pyridoxin (Vitamin B6) eingenommen werden, um neurologischen Nebenwirkungen vorzubeugen. Bei den Neugeborenen von Müttern, die während der Schwangerschaft mit antituberkulösen Medikamenten behandelt worden waren, wurden keine erhöhten Fehlbildungsraten beobachtet. Die Durchführung einer Tuberkulosebehandlung ist in keinem Stadium der Schwangerschaft ein Grund für einen Abbruch.

Bei an Tuberkulose infizierten Neugeborenen wird ...

... am häufigsten von einer horizontalen Ausbreitung in der Postpartalzeit durch Tröpfcheninfektion über die Mutter oder andere nicht diagnostizierte Familienmitglieder ausgegangen.

Es erfolgt keine Übertragung von Tuberkulose durch die Muttermilch!

WHO, das deutsche RKI und das DZK empfehlen keine Stillunterbrechung während der Behandlung der Mutter. Bei der Behandlung des Kindes ist die Dosis entsprechend der über die Muttermilch erhaltenen Medikation zu reduzieren. Eine Trennung von Mutter und Kind wird nicht empfohlen, die Mutter sollte im ansteckenden Stadium jedoch einen Mundschutz tragen und auf gute Hygiene achten.

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Ein ausführlicher Artikel mit genauen Angaben zur Entstehung, Prävention und Behandlung der Tuberkulose sowie der umstrittenen Möglichkeit einer Impfung steht zum Download zur Verfügung und kann auch an interessierte KollegInnen weitergegeben werden.

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