Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Brustmassage und
Handgewinnung von Muttermilch

Quellenangabe für die Fotos auf dieser Seite:
T. Juppe-Schütz

Ein hilfreicher Baustein für einen guten Stillbeginn

Um eine erfolgreiche Stillbeziehung aufzubauen kommt es auf viele Faktoren an, die sich gegenseitig beeinflussen, ineinandergreifen und bei Bedarf durch unterstützende Maßnahmen verbessert werden können.

Christa Herzog-Isler (IBCLC) nennt dieses Modell "Bausteine für einen guten Stillbeginn".
Manche Bausteine sind obligatorisch oder selbstverständlich (z.B. "Hautkontakt – Bonding oder Re-Bonding", "Korrektes Anlegen", "Häufiges Stillen von Anfang an", "Beobachten und Reflektieren"), manche Bausteine können helfen, wenn Schwierigkeiten auftreten oder bereits zur Prävention gezielt mit Müttern eingeübt werden (z.B. "Oxytocinmassage", "Brustmassagen zum Milcheinschuss").
Einige Bausteine sind sinnvoll als Maßnahme bei speziellen Schwierigkeiten (z.B. "MM gewinnen und sofort verabreichen", "Brustkompression").

Auf dieser Seite informieren wir Sie über verschiedene Formen der Brustmassage, die den Stillbeginn erleichtern und bei Schwierigkeiten hilfreich sein können.

Häufig angewendete Massagetechniken sind

  • Brustmassagen zur Oxytocinausschüttung und als Vorbereitung zur Gewinnung von Muttermilch
  • Reverse Pressure Softening Massage (RPS) für die Zeit des initialen Milcheinschusses
  • Tiefdruckmassage/ Lymphdrainage bei starkem initialen Milcheinschuss
  • T. Juppe-Schütz
    Oxytocinsteigernde Massage kurz vor dem Anlegen oder Gewinnen von Muttermilch – Foto: © T. Juppe-Schütz
  • T. Juppe-Schütz
    Sanfte Stimulation zur Aufrichtung der Mamille – Foto: © T. Juppe-Schütz

Wirkung und Chancen

Die Anleitung zur Brustmassage als hilfreiches Werkzeug zur Unterstützung eines guten Stillbeginns hat viele positive Effekte:

  • Die Mutter erlebt den Umgang mit ihrer Brust positiv und bewusst, Zunahme des Kompetenzgefühls und des Selbstvertrauens
  • Schnellere, erleichterte und erhöhte Oxytocin-Ausschüttung mit allen bekannten positiven Konsequenzen: Schonung des zu Beginn empfindlichen Brustgewebes, rascherer Stillerfolg für das Baby (dadurch erhöhte Wachheit, besserer Gewichtsverlauf)
  • Erhöhung der Milchmenge, Erhöhung des Fettgehalts der Milch, geringere Zufütterungsraten, geringere Folgekomplikationen wie z.B. Hypoglykämie
  • Schonendere initiale Brustdrüsenschwellung, geringere Neigung zu Milchstaus und Mastitiden
  • Hilfreich bei der Gewinnung von Muttermilch (von Hand oder mit der Pumpe), da die Oxytocinausschüttung erhöht und somit Milchfluss und Milchmenge gesteigert werden

Erfahrungen und Einbindung im Klinikalltag

Einige Kliniken haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, die oxytocinsteigernde Brustmassage im Rahmen ihres Stillberatungskonzepts grundsätzlich mit jeder Schwangeren/ Wöchnerin einzuüben und ihr so ein relativ einfaches, kostenneutrales und von ihr selbst anzuwendendes Hilfsmittel für die ersten Tage an die Hand zu geben. Für babyfreundlich zertifizierte Häuser (BFHI) ist außerdem das Anleiten zur Entleerung von Hand obligatorisch und gehört zu den Anforderungen an das Stillberatungskonzept der Klinik.

Wenn das Bonding gelungen ist, viel Hautkontakt zwischen Mutter und Kind besteht und die Milch gut zu fließen beginnt, ist der Start geglückt. Zur Erreichung dieses Ziels ist eine kurze Oxytocinmassage der Brust in den ersten ein bis zwei Tagen sehr hilfreich. Die Anleitung dazu sollte daher für alle Kliniken gängige Praxis werden.

Nachfolgend finden Sie ein Fallbeispiel mit Zwillingen sowie einige Erfahrungsberichte von Kolleginnen aus unterschiedlichen Kliniken, die in ihren Häusern alle Mütter zur Brustmassage anleiten:

Auch mit anderen Methoden der Brustmassage machen viele Kliniken gute Erfahrungen. Beispielsweise wird bei einem starken initialen Milcheinschuss den Frauen die RPS-Massage (Reverse Pressure Softening Massage) gezeigt, was Linderung verschafft und das Anlegen des Neugeborenen an der prallen und gespannten Brust erleichtert.

Eine Studie in den USA hat die Vermittlung und Anwendung der RPS-Methode übrigens 2016 untersucht, dazu finden Sie weitere Informationen in unserem Bereich "Neues aus der Forschung":

Massagetechniken und ihre Anwendung

Die folgenden Dokumente und Auszüge aus unseren Skripten erläutern detailliert die unterschiedlichen Varianten und Anwendungsmöglichkeiten verschiedener Brustmassagetechniken. Wir stellen sie Ihnen als Fachpersonal gerne zur Verfügung – bitte beachten und respektieren Sie das Copyright und verwenden Sie die Dateien nur für Ihren persönlichen Gebrauch.

Für Eltern stehen zwei bebilderte Anleitungen unter den folgenden Links zur Verfügung:

Außerdem besteht die Möglichkeit, ein umfassendes gedrucktes Informationsblatt mit Bildern und Erläuterungen beim BDL (Berufsverband deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC) zu bestellen:


Handgewinnung von Muttermilch

Häufig folgt einer stimulierenden Brustmassage im Anschluss die Gewinnung einiger Tropfen Kolostrum von Hand, aber auch nach Etablierung der Milchbildung nutzen manche Frauen die Handentleerung weiterhin, z.B. um sich Erleichterung bei einem Milchstau zu verschaffen oder um etwas Muttermilch für die verstopfte Nase des Babys zu gewinnen.

Insbesondere in den ersten Stunden und Tagen postpartum kann die Handgewinnung von Kolostrum von großer Bedeutung sein, z.B. wenn das Anlegen (noch) nicht optimal gelingt, das Baby sehr schläfrig ist, die postpartale Gewichtsabnahme Anlass zur Überprüfung des Stillmanagements gibt oder wenn der Blutzucker des Neugeborenen stabilisiert werden soll. Eine medizinisch indizierte Zufütterung sollte nach Möglichkeit mit gewonnenem Kolostrum durchgeführt werden.

Kolostrumgewinnung speziell für diabetische Schwangere und Mütter

Für Neugeborene diabetischer Mütter ist das Kolostrum besonders wertvoll und wird, zur Prävention einer Hypoglykämie, bereits innerhalb der ersten halben Stunde postpartum benötigt. Da die meisten Neugeborenen zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit dazu sind, direkt an der Brust zu trinken, wird die Mutter dazu angeleitet, Kolostrum von Hand zu gewinnen.

Als präventive Maßnahme empfehlen wir zusätzlich, dass diabetische Mütter bereits zum Ende der Schwangerschaft angeleitet werden, Kolostrum zu gewinnen und bis zur Geburt einzufrieren. Eine genaue Erläuterung der Hintergründe und Empfehlungen für die Praxis gibt das folgende Dokument:

Weitere Informationen zu diesem Themenfeld finden Sie auch auf unseren folgenden Fachseiten:

  • T. Juppe-Schütz
    Handgewinnung von Kolostrum – Foto: © T. Juppe-Schütz
  • T. Juppe-Schütz
    Aufziehen des Kolostrums in eine Spritze durch eine zweite Person – Foto: © T. Juppe-Schütz

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