Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Diabetes mellitus

Autorin: Gudrun von der Ohe, Ärztin und IBCLC, Hamburg

Diabetes in Schwangerschaft und Stillzeit

Diabetes mellitus ist der Sammelbegriff für verschiedene chronische Stoff­wechsel­störungen, deren Leitbefund eine Überzuckerung des Blutes (Hyperglykämie) ist.
Man unterscheidet dabei zwischen dem primär insulinabhängigen Diabetes mellitus (Typ-1-Diabetes), bei dem die insulinproduzierenden Betazellen der Langerhans-Inseln des Pankreas zerstört werden, so dass es zu einem absoluten Insulinmangel kommt und dem nicht primär insulinabhängigen Diabetes mellitus (Typ-2-Diabetes), der auf der Basis einer abgeschwächten Wirksamkeit des Insulins (Insulinresistenz) beruht.

Ein erstmals während der Schwangerschaft auftretender Diabetes mellitus wird ...

... als Schwangerschafts- oder Gestationsdiabetes bezeichnet. Durch die während der Schwangerschaft vermehrt im Körper vorliegenden Steroidhormone wird die Produktion von Insulin gehemmt, gleichzeitig kommt es zur Insulinresistenz. In der Regel verschwindet diese Form des Diabetes nach Beendigung der Schwangerschaft. Grundsätzlich handelt es sich mit etwa 2 - 8% Häufigkeit um die häufigste Begleiterkrankung in der Schwangerschaft.

Laut einer → Untersuchung in den USA (2014) könnten rund die Hälfte aller Fälle vermieden werden, wenn Frauen nicht rauchen, sich gesund ernähren und Sport treiben würden sowie kein Übergewicht hätten.

Schwangere mit Diabetes mellitus gehören ...

... zu der Gruppe der Risikoschwangeren und werden intensiv betreut. Dazu steht die deutsche
AWMF-Leitlinie "Diabetes und Schwangerschaft" von 2014 zur Verfügung.

Nicht nur für die werdende Mutter hat ihre Diabetes-Erkrankung jedoch Auswirkungen, auch das Ungeborene ist davon betroffen. Daher werden für Neugeborene diabetischer Mütter spezielle Maßnahmen empfohlen, die sich vor allem um den Blutzuckerspiegel des Babys drehen und für die die → AWMF-Leitlinie "Betreuung von Neugeborenen diabetischer Mütter" von 2010 (sie befindet sich zur Zeit in Überarbeitung) zur Verfügung steht.
Ausführliche Informationen dazu finden Sie auch auf unserer Fachseite

Um den Stillstart für ein Neugeborenes einer diabetischen Mutter zu erleichtern, empfiehlt es sich, bereits präpartal ab der 37. oder 38. Schwangerschaftswoche Kolostrum zu gewinnen und dieses eingefroren in die Geburtsklinik mitzubringen. Die Erläuterung der Hintergründe und Empfehlungen für die praktische Umsetzung können Sie in unserem folgenden Dokument nachlesen:

Das Stillen ist auch mit einer Diabetes-Erkrankung möglich ...

... und sogar besonders dringend zu empfehlen, weil es sowohl für die Mutter als auch das Kind die Risiken für künftige Diabetes-Erkrankungen senkt. Allerdings haben einige diabetische Mütter Schwierigkeiten mit einer ausreichenden Milchbildung und benötigen besonders intensive Betreuung und Anleitung. Ein gutes Stillmanagement von Anfang an ist für diese Mutter-Kind-Paare besonders bedeutsam.

LESEN SIE WEITER

Ein ausführlicher Artikel mit genauen Angaben zu den einzelnen Diabetes-Formen, Auswirkungen auf Schwangerschaft und Geburt sowie Besonderheiten in der Stillzeit steht Ihnen zum Download zur Verfügung und kann auch an interessierte KollegInnen weitergegeben werden.

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