Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Internationale Leitlinien

Hier finden Sie Informationen zu internationalen Initiativen, Projekten und Dokumenten zur Stillförderung.
Stand Oktober 2026

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AAP – American Academie of Pediatrics

Die AAP (American Academy of Pediatrics) wurde 1930 von 35 Kinderärzten in Detroit gegründet und widmet sich der optimalen körperlichen, geistigen und sozialen Gesundheit von Säuglingen, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Außerdem gibt sie die monatliche Fachzeitschrift "Pediatrics" heraus.
2022 bekräftigt die AAP ihre Empfehlung zum ausschließlichen Stillen in den ersten 6 Lebensmonaten und darüber hinaus.

Wir haben in unserer EISL-Rubrik "Neues aus der Forschung" bereits darüber berichtet → lesen Sie hier unseren Artikel.

ABM – Academy of Breastfeeding Medicine

Seit über 30 Jahren vereint die ABM Ärzte und Gesundheitsexperten weltweit, um evidenzbasierte Lösungen für die Herausforderungen des Stillens zu entwickeln. Da die klinische Praxis den wissenschaftlichen Erkenntnissen oft hinterherhinkt, gibt sie regelmäßig „Klinische Protokolle“ als Vorlagen und Empfehlungen für Kliniken und ärztliche Praxen heraus, z. B. zu Hypoglykämie, Mastitis, Aufbewahrung von Muttermilch oder Zufütterung. Die Protokolle beruhen auf aktuellen, evidenzbasierten Erkenntnissen und sind teilweise in mehreren Sprachen, auch Deutsch, verfügbar.

AWMF – Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften

Die AWMF ist ein Zusammenschluss von über 180 medizinischen Fachgesellschaften mit mehr als 300.000 Expert:innen. Sie vertritt die Interessen der medizinischen Wissenschaft, fördert die Zusammenarbeit und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis. Zudem setzt sie sich gegenüber Politik und Öffentlichkeit für eine wissenschaftsbasierte Medizin ein.
Die AWMF-Leitlinien bilden eine wichtige Arbeitsgrundlage für die tägliche Praxis.

Baby-friendly Hospital Initiative (BFHI)

BFHI ist eine 1991 gegründete Initiative von WHO/UNICEF, die das Ziel hat, durch verbesserte Rahmenbedingungen in Geburtskliniken die Eltern-Kind-Bindung und das Stillen zu fördern. Die "10 Schritte zum erfolgreichen Stillen" gelten hier als Maßstab und es wird angestrebt diese umzusetzen.
Die ersten Überlegungen dazu gab es bereits 1989. Sie wurden in einem gemeinsamen Statement der WHO und UNICEF niedergeschrieben.

Die Baby-friendly Hospital Initiative (BFHI) ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich organisiert.

DEUTSCHLAND

In Deutschland wird das Projekt über den Verein WHO/UNICEF-Initiative „Babyfreundlich“ e.V. organisiert und abgewickelt. Interessierte Kliniken können sich an diesen Verein wenden.

ÖSTERREICH

Die "Baby-friendly Hospital Initiative" ist im Netzwerk Gesundheitsfördernder Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen Österreich (ONGKG) eingegliedert.
Alle Informationen zur BFH-Initiative sowie Termine für Fortbildungen finden Sie auf der ONGKG Website.

SCHWEIZ

1991 entstand eine UNICEF Arbeitsgruppe, welche 1993 die ersten Spitäler auszeichnete. Dann war BFHI für 10 Jahre der "Schweizerischen Stiftung zur Förderung des Stillens" angegliedert.
Aufgrund einer Standortbestimmung im Jahr 2010 - Neupositionierung des BFHI-Labels in der Schweiz - hat UNICEF Schweiz Kriterien und Zertifizierungsprozess den heutigen gültigen Regeln der Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung in Gesundheitseinrichtungen angepasst. Das Schweizerische Komitee für UNICEF ist seitdem für das "Baby Freundliche Spital" zuständig.

EU-Aktionsplan: Schutz, Förderung und Untestützung des Stillens

Durch den von der Europäischen Kommission und der WHO 2004 weiter entwickelten Aktionsplan ”Schutz, Förderung und Unterstützung des Stillens in Europa“ soll im Besonderen europaweit eine Verbesserung der Stillpraktiken und der Stillraten erreicht werden.
Er enthält Analysen, Strategien, Informationen zur Fortbildung und Evaluationen, anhand derer in allen Ländern der EU eine Stillförderung erarbeitet werden kann.

ILCA – Leitlinien

Die International Lactation Consultant Association® (ILCA®) ist der Berufsverband für International Board Certified Lactation Consultants® (IBCLC®) und andere Fachkräfte im Gesundheitswesen, die stillende Familien betreuen. Sie arbeiten mit Organisationen zusammen, um bessere Gesundheitsergebnisse für Familien zu erzielen.
Ihr Ziel ist es, den Berufsstand der International Board Certified Lactation Consultant® (IBCLC®) und die qualifizierte Stillberatung weltweit durch Führung, Interessenvertretung, berufliche Weiterbildung und Forschung voranzubringen.
Die ILCA-Leitlinien zum Stillen sind evidenzbasierte Empfehlungen die Fachpersonen dabei unterstützen, Eltern und Babys beim erfolgreichen und sicheren Stillen adäquat zu beraten und zu begleiten.

Nach wie vor sind auch in der überarbeiteten Version (2014) der ILCA-Leitlinien die Wachstumskurven der WHO für gestillte Säuglinge nicht berücksichtigt worden. Deshalb steht Ihnen hier ein aktuelles Einlageblatt zum Thema Gewichtszunahme als PDF-Download zur Verfügung.

In Englisch wurden diese Leitlinien im Jahr 2014 überarbeitet und neu aufgelegt. Diese überarbeitete Version ist zur Zeit nur in Originalsprache erhältlich.

International Baby Food Action Network (IBFAN)

Die IBFAN (International Baby Food Action Network) setzt sich weltweit dafür ein, dass alle Babys ungestört gestillt werden können – frei von Einflüssen der Säuglingsnahrungsindustrie und stillkonkurrierender Produkte. Dies wird durch verschiedene Strategien erreicht, darunter der Aufbau von Allianzen, der Schutz vor irreführender Werbung, die Interessenvertretung gegenüber verantwortungsvollen Regierungen, die Stärkung von Gemeinschaften sowie Monitoring und Überwachung.

Innocenti Deklaration

In dieser Deklaration über Schutz, Förderung und Unterstützung des Stillens (1990 und 2005) wurden vier praktische Ziele als Empfehlung für die nationalen Regierungen formuliert.

Sie wurden aufgerufen:
• einen nationalen Koordinator für das Stillen mit entsprechenden Kompetenzen sowie eine nationalen Stillkommission zu berufen

• sicherzustellen, dass alle geburtshilflichen Einrichtungen die „10 Schritte zum erfolgreichen Stillen“ vollständig anwenden

• die Prinzipien und Ziele des Internationalen Kodex umzusetzen

• fantasievolle Gesetze zum Schutz der Rechte stillender Mütter zu erlassen und durzuchführen

Internationaler Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten

1981 hat die 34. Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly, WHA) einen Kodex zur Vermarktung von Muttermilchersatzprodukten verabschiedet. Ziel des Kodex ist es, „... zu einer sicheren und angemessenen Ernährung für Säuglinge und Kleinkinder beizutragen, und zwar durch Schutz und Förderung des Stillens und durch Sicherstellung einer sachgemäßen Verwendung von Muttermilchersatznahrung, wo solche gebraucht wird. Dies soll auf der Grundlage entsprechender Aufklärung und durch eine angemessene Vermarktung und Verteilung erfolgen.“ Das heißt: Künstliche Säuglingsnahrung kann und soll hergestellt und verkauft werden, für die Kinder, die sie benötigen. Das Stillen aber darf durch die Verkaufsmaßnahmen nicht beeinträchtigt werden.

Dazu haben wir eine Fachseite erstellt:

Kangaroo Mother Care (KMC)

Wir stellen Ihnen hier eine Anleitung der WHO in englischer Sprache, für die Praxis in der Kangaroo Mother Care-Pflege von Frühgeborenen im Haut-zu Hautkontakt, zum Download zur Verfügung..


Die Känguru-Methode (Kangaroo Mother Care, KMC) ist eine Betreuungsform, bei der das Kind im direkten Haut-zu-Haut-Kontakt auf einer Betreuungsperson liegt und dort gewärmt, beruhigt und beim Stillen unterstützt wird. Ursprünglich wurde das Konzept vor allem für Frühgeborene und andere vulnerable Neugeborene entwickelt, heute wird es oft allgemein für innigen Hautkontakt (auch Skin-to-Skin Care genannt). Hautkontakt ist dabei nicht nur in der ersten „goldenen Stunde” nach der Geburt bedeutsam: Zahlreiche Studien zeigen, dass die Fortsetzung über die folgenden Stunden und Tage und auch zu Hause sich auf eine ganze Reihe von Faktoren auswirkt (z. B. Altit et al., 2024). Bei Frühgeborenen und Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht verbessert KMC nachweislich die Überlebenschancen, fördert das Stillen und stärkt die Bindung zwischen Eltern und Kind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt KMC seit 2003. Diese Emfpehlung findet sich außerdem in den BFHI-Richtlinien (Schritt 7 aus "10 Schritte zum erfolgreichen Stillen") und in den ABM-Protokollen #2 und #7 wieder.

Die WHO bietet auf ihrer Website einen Leitfaden für die klinische Praxis, sowie weitere Hilfsmittel für die praktische Umsetzung an:

Kompetenzen in der Stillberatung überprüfen: WHO-Instrumentarium

Dieses von der Weltgesundheitsorganisation im Jahr 2026 entwickelte Instrumentarium unterstützt die Überprüfung der Kompetenzen von Fachkräften, die Stillberatung und -betreuung anbieten. Es stellt sicher, dass sie über das Wissen, die Fähigkeiten und die Haltung für eine sichere, wirksame, einfühlsame und evidenzbasierte Begleitung verfügen.
Im Mittelpunkt steht das Wissen, die Kompetenzen und die Einstellung der Fachkräfte statt absolvierter Ausbildungsstunden. Das Dokument beschreibt Leistungsindikatoren für die pränatale, perinatale und postnatale Phase und bietet praktische Hilfsmittel wie Beobachtungs-, Fallbesprechungs- und Wissensbewertungsinstrumente sowie Leitfäden für Prüfenden. Zudem enthält es Hinweise zur Anpassung an unterschiedliche Länderkontexte. Ziel ist es, die Qualität der Stillberatung zu verbessern und die Umsetzung der WHO-Empfehlungen sowie der Baby-Friendly-Initiative zu fördern.

Stillförderung in Deutschland

Die Stillförderung in Deutschland findet auf mehreren Ebenen statt.

NATIONALE STILLFÖRDERUNG

Seit über 40 Jahren setzen sich Selbsthilfeverbände in Deutschland für die Stillförderung ein. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Berufsverbände, Initiativen und Gruppen hinzu, sodass der Runde Tisch Stillförderung in Deutschland entstand. Gemeinsam mit den in ihm zusammengeschlossenen Verbänden trug er über Jahrzehnte die nationale Stillförderung.
Mit der Zeit schlossen sich weitere relevante Berufsverbände, Ausbildungsinstitute, Organisationen und Fachgesellschaften an. Sie haben sich im Verband Nationale Stillförderung zusammengeschlossen und bündeln unter diesem Dachverband ihre gemeinsamen Ziele, Kompetenzen, Multiplikatoren und ihr Fachwissen. Der Satzungszweck wird durch Information, Öffentlichkeitsarbeit und die bundesweite Koordination von Aktivitäten und Maßnahmen zur Stillförderung verwirklicht.

NETZWERK GESUND INS LEBEN

Das Netzwerk Gesund ins Leben ist im Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) angesiedelt. Es ist ein Zusammenschluss von deutschen Institutionen, Fachgesellschaften und Verbänden zur Förderung der frühkindlichen Gesundheit – von der Zeit vor der Schwangerschaft bis ins Kleinkindalter. Alle Akteurinnen und Akteure dieses Netzwerks unterstützen Familien beim gesunden Aufwachsen ihrer Kinder. Basis dafür sind die fachlich gesicherten, konsentierten Handlungsempfehlungen.

NATIONALE STLLKOMMISSION

1994 wurde in Deutschland die Nationale Stillkommission (NSK) gegründet. Die Hauptaufgaben bestehen in der Beratung der Bundesregierung, der Herausgabe von Richtlinien und Empfehlungen und der Unterstützung von Initiativen um Strukutren zu schaffen, die das Stillen fördern.

Stillförderung CH

Stillförderung Schweiz ist ein unabhängiges, nationales Kompetenzzentrum für alle im Bereich Schwangerschaft, Geburt und Kleinkinder tätigen Berufsgruppen und Organisationen, sowie eine Informationsplattform für Eltern. Sie engagiert sich für optimale rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für das Stillen. Stillförderung Schweiz ist in der Gesundheitspolitik aktiv und beteiligt sich am Public-Health-Netzwerk der Schweiz.

WHO Statement – "Globale Strategie für die Säuglings- und Kleinkindernährung"

Hier finden Sie, die von der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) bereits 2003 herausgegebene "Global Strategy for Young Child and Infant Feeding".
• Um Wachstum, Entwicklung und Gesundheit in optimalem Maß zu gewährleisten, sollte ausschließliches Stillen in den ersten 6 Lebensmonaten eine globale Empfehlung im Gesundheitswesen sein.

• Danach sollten Kinder adäquate und sichere Beikost erhalten, um den veränderten
Ernährungsbedürfnissen zu entsprechen, während das Stillen bis hin zu 2 Jahren und darüber hinaus weitergeführt wird.

• Mütter sollten fachlich richtige Unterstützung erhalten - „skilled support“ - um einen guten Beginn und ein Fortführen der gewählten Ernährungsform zu sichern und Schwierigkeiten vorzubeugen oder sie zu meistern. z.B.: Still- und Laktationsberaterin IBCLC; ausgebildetes Gesundheitspersonal.