Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Muttermilch und Zufütterung von Formulanahrung

Quellenangabe für die Fotos auf dieser Seite:
A. Hemmelmayr, T. Juppe-Schütz

Muttermilch, unübertroffen

Muttermilch und Formulanahrung sind auch im Zeitalter modernster Herstellungsverfahren nicht gleichwertig, auch wenn Werbung und Industrie uns dies manchmal glauben machen möchten. Auf dieser Seite befassen wir uns intensiv mit der jeweiligen Zusammensetzung von Muttermilch und Formulanahrung und stellen Ihnen Materialien zur Verfügung, die auch auf die Frage einer notwendigen Zufütterung von Muttermilch-Ersatzprodukten eingehen.

  • © T. Juppe-Schütz
    Die Gewinnung von Kolostrum hat oberste Priorität
  • © A. Hemmelmayr
    Zufütterung direkt an der Brust ist anzustreben

Zufütterung/ Zufütterungsmethoden

Seit einiger Zeit beobachten wir, dass in vielen Kliniken anstelle von klassischer Säuglingsnahrung (z.B. PRE-Nahrung) sogenannte "Energiesupplemente" zugefüttert werden. Diese Supplemente (z.B. Aptamil Primergen oder Hipp NE) werden von den Herstellern als "Ergänzung zum Stillen" vermarktet und daher mancherorts auch ohne medizinische Indikation eingesetzt, was wir äußerst kritisch sehen.

Zur Klarstellung und als Argumentationshilfe für interessierte KollegInnen haben wir daher im September 2016 eine umfangreiche Stellungnahme verfasst, die unter anderem die Zusammensetzung der Energiesupplemente, Bedenken zur Handhabung und Hinweise auf eine sinnvolle Zufütterung bei medizinischer Indikation beinhaltet. Die Stellungnahme eignet sich auch gut zum Ausdrucken und als Diskussionsgrundlage für Teams, die vor der Frage stehen, ob sie die Supplemente einsetzen wollen oder nicht:

Bereits 2014 haben wir die Zufütterung von Formula und ihren oft bedenkenlosen und nicht medizinisch indizierten Einsatz näher beleuchtet. Jüngere Studien ergeben manchmal widersprüchliche Informationen, ältere Studien sind möglicherweise nicht auf heutige industrielle Säuglingsnahrung übertragbar - die Verunsicherung bei Fachpersonal und Eltern ist somit verständlich.

Unsere 2014 verfasste umfangreiche Zusammenfassung zum Stand der Forschung und den derzeit gültigen Empfehlungen stellen wir Ihnen hier zur Verfügung :

Zufütterung von Säuglingen ist manchmal notwendig, soll aber das Stillen möglichst wenig gefährden. Stillfreundliche Zufütterungsmethoden ermöglichen, gleichzeitig das Saugen an der Brust zu trainieren und dem Baby die nötige Zufütterungsmenge zur Verfügung zu stellen. Andere alternative Zufütterungsmethoden vermeiden zumindest des Einsatz einer Saugerflasche.

2013 haben wir eine Stellungnahme zum sogenannten "Fingerfeeding" verfasst, das in einigen Kliniken als vermeintlich stillfreundliche Zufütterungsmethode sehr beliebt ist, was wir jedoch kritisch sehen:

Zusammensetzung/ Inhaltsstoffe

Der Deutsche Hebammenverband hat 2014 eine detaillierte und zugleich kompakte Übersicht über die Inhaltsstoffe von Muttermilch und Formula im Vergleich erstellt, die insbesondere für Fachpersonal sehr interessant ist. Wir freuen uns, dass der Hebammenverband uns das Dokument zum Download zur Verfügung gestellt hat:

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beheimatet die Nationale Stillkommission in Deutschland und gibt hin und wieder Grundsatzerklärungen zum Stillen heraus – z.B. zur Frage der empfehlenswerten Stilldauer.
Im Juli 2012 hat das BfR ein umfangreiches Statement veröffentlicht, das sich mit den Unterschieden zwischen Muttermilch und industriell hergestellten Säuglingsnahrungen beschäftigt. Das Statement wendet sich entschieden gegen verfälschende Werbung der Industrie, die mit Begriffen wie „muttermilchnah“ oder „nach dem Vorbild der Muttermilch“arbeitet.

Außer einer ausführlichen Beschreibung der einzelnen Inhaltsstoffe der Muttermilch beinhaltet das Papier auch die Inhaltsstoffe von Formula, mögliche damit verbundene Risiken und die aktuelle Studienlage zu allen bekannten Stoffen in diesem Zusammenhang. Im weiteren Verlauf werden im Statement verschiedene Erkrankungen beschrieben, für die es nachgewiesene Auswirkungen von Stillen und Muttermilchernährung auf ihre Häufigkeit/ Wahrscheinlichkeit gibt.

Das Statement des BfR zum Nachlesen und Herunterladen:

Die Stiftung Ökotest untersucht regelmäßig auch Formulanahrung auf verschiedenste Schadstoffe und testet immer wieder verschiedene Anfangsnahrungen im direkten Vergleich. In den letzten Jahren hatten vor allem sogenannte Fettsäureester für Bedenken gesorgt, diese wurden zwischenzeitlich von einigen Herstellern deutlich verringert. Neue Sorgen machen nun Chlorate, die in vielen Pulvern in erhöhten Konzentrationen gefunden wurden. Außerdem bemängelt Ökotest, dass noch immer einige Hersteller mit missverständlichen, nicht zulässigen Werbeaussagen arbeiten, z.B. mit Slogans wie "nach dem Vorbild der Muttermilch" o.ä.
Den Test-Bericht aus dem Jahrbuch 2017 finden Sie hier:

Die Empfehlungen der European Food Safety Authority (EFSA) zur Zusammensetzung von Säuglings- und Folgenahrungen sind für den gesamten europäischen Raum maßgeblich und nationale Gesetzgebungen sollen an diese angeglichen werden. Eine äußerst umfangreiche Literaturrecherche (448 Seiten) ging der anschließend darauf gestützten Wissenschaftlichen Empfehlung vom Sommer 2014 voraus.

In unserem Bereich Neues aus der Forschung berichten wir regelmäßig über wissenschaftliche Untersuchungen, die die Zusammensetzung oder Verwendung von Formulanahrung betreffen.
Übersicht über die seit Anfang 2016 dazu erschienenen Artikel:

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