Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Brustsoor in der Stillzeit

Quellenangabe für die Fotos auf dieser Seite:
A. Bier, A. Hemmelmayr, Ch. Herzog, R. Merkelbach, G. Nindl, Breastfeeding Atlas (3. Auflage, 2005)

Überblick über den Stand des Wissens

Brustsoor, eine Infektion mit dem Pilz Candida albicans, ist ein häufig unterschätztes Phänomen in der Stillzeit und bereitet den betroffenen Frauen große Beschwerden. Für die Unterstützung und Betreuung dieser Frauen ist es wichtig, die neuesten Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zu nutzen und anzuwenden.
Diese Fachseite soll Ihnen einen Überblick über den derzeitigen Stand des Wissens zum Thema Brustsoor geben und Ihnen Materialien für die Begleitung betroffener Mütter zur Verfügung stellen.

Faktoren, die eine Infektion mit Candida albicans begünstigen:

  • Müdigkeit, Stress, schlechte Immunlage
  • Vorangegangene Medikation mit Antibiotika, Kontrazeptiva, Steroiden
  • Wunde Mamillen in feucht-warmem Klima
  • Diabetes mellitus
  • Neigung zu ekzematöser Haut, andere Hauterkrankungen
  • Fehlende oder übertriebene Hygiene
  • Einseitige Ernährung (stark zucker- und stärkehaltig), Vitaminmangel
  • Ansteckung über das Kind

Eine sofortige Behandlung von Mutter und Kind ist wichtig. Das Stillen kann sowohl während einer lokalen als auch einer systemischen Therapie ohne Einschränkungen weiter geführt werden. Wenn für die Mutter das Stillen zu schmerzhaft ist, kann die Milch abgepumpt und sofort verwendet werden.
Das Aufbewahren oder Einfrieren von Muttermilch während einer Soor-Infektion ist nicht sinnvoll, da bei einer späteren Verwendung die Gefahr einer Re-Infektion besteht.

Soor im Bereich der Mamille

  • A.Bier
    Soorinfektion: Hautrötung, schuppige, trockene Haut
  • Breastfeeding Atlas, 3. Auflage 2005
    Klassisches Erscheinungsbild, rosa glänzende Mamille

Diese Form des Brustsoors ist in Fachkreisen bereits weitgehend bekannt und kann in den meisten Fällen mit relativ einfachen Mitteln behandelt werden.
Es handelt sich um eine oberflächliche Infektion, die sowohl die Haut der mütterlichen Brust als auch die Mundschleimhäute des Kindes betreffen kann. Nicht immer sind bei beiden Stillpartnern (Mutter und Kind) Symptome zu beobachten, trotzdem müssen stets beide behandelt werden, um einen Ping-Pong-Effekt zu vermeiden.
Die Diagnose wird auf Grund der klinischen Symptome gestellt, da ein labordiagnostischer Nachweis mittels Abstrich und Kultur nur in sehr seltenen Fällen zu aussagekräftigen Befunden führt. Die Symptome können sowohl bei der Mutter als auch beim Kind einzeln oder in Kombination auftreten.

Mütterliche Symptome

  • Juckende, brennende, schmerzende Mamillen (manchmal wird sogar warmes Wasser oder Kleidung nur schwer ertragen)
  • Mamillen und Areola glänzend rosa oder pink
  • Schuppige, trockene, rissige Haut im Bereich der Mamille und Areola, manchmal mit weißen Belägen oder Bläschen
  • Depigmentierung der Areola
  • Manchmal "Pickelchen", ähnlich einem Ausschlag
  • Wunde Mamillen, die manchmal über Wochen schlecht heilen
  • Eventuell zugleich Pilzinfektionen an anderen Körperbereichen wie z.B. Vaginal-Soor

Kindliche Symptome

  • Ch. Herzog
    Soorinfektion-Zunge des Kindes, Behandlung mit Daktarin Mundgel lokal, deutliche Besserung nach 24 Stunden, symptomlos nach 14 tägiger Anwendung
  • Weiße Beläge der Wangenschleimhaut
  • Weiß-graue Beläge der Zunge, die nicht abgewischt werden können
  • Verändertes Trinkverhalten, Brustverweigerung, Unwohlsein aufgrund der Schmerzen oder des Juckens im Mund
  • Eventuell parallel auftretender Windelsoor (hartnäckig wunder, sehr roter, pickeliger Po)

Therapie

  • G. Nindl
    Therapie mit Clotrimazol, Heilung innerhalb einer Woche
  • R. Merkelbach
    Vollständige Besserung nach Behandlung mit Nystatinsalbe

Die Behandlung beider Stillpartner erfolgt üblicherweise über lokal aufzutragende Cremes/ Gels, die einen antimykotischen Wirkstoff enthalten wie z.B. Miconazol, Nystatin oder Clotrimazol. Nach Möglichkeit sollten Mutter und Kind mit dem gleichen Wirkstoff behandelt werden. Nach jedem Stillen sollte die Brust der Mutter mit der Creme sowie der Mund des Kindes mit dem entsprechenden Gel behandelt werden.

Zusätzliche Maßnahmen sind sinnvoll: gute Handhygiene, alle Gegenstände auskochen, die im Mund des Kindes waren (Schnuller etc.), Wäsche von Mutter und Kind möglichst heiß waschen/ auskochen/ mit Hygienespüler behandeln, Einmalstilleinlagen verwenden, eventuell Ernährungsumstellung (weniger Zucker).

  • A. Hemmelmayr
    Zuerst mit Hydrocortison auf Ekzem behandelt, Besserung erst nach Behandlung mit Miconazol lokal
  • Ch. Herzog
    Behandlung mit Daktarincreme lokal, Besserung nach 24 Stunden, symptomlos nach 14 Tagen Anwendung

Unter dieser Therapie wird meist eine deutliche Symptomverbesserung innerhalb weniger Tage beobachtet. Trotzdem sollte die Behandlung über einige Tage hinaus fortgesetzt werden, um Rezidive zu vermeiden.
In komplizierten Fällen, die mit einer Infektion der Mamillen einhergehen, kann eine Kombinationstherapie aus Antimykotikum und Antibiotikum in Salbenform sinnvoll sein. Lesen Sie hierzu auch auf unserer Fachseite zu Wunden Mamillen:

Soor in der Brust/ Soormastitis/ Milchgangscandidose

Eine innerhalb der Brust liegende Soor-Infektion wird erst in jüngerer Zeit intensiver diskutiert. Die Infektion ist mittels Muttermilchkulturen schwer nachweisbar, weil einerseits verschiedene Bestandteile der Muttermilch das Pilzwachstum in der Kultur verhindern, andererseits der Pilz unter der Epithelschicht der Milchgänge sitzen kann und somit schwerlich in Muttermilchproben auftaucht.
In den vergangenen Jahren hat es mehrere Versuche gegeben, die Labordiagnostik zu verbessern. Eine in Österreich 2013 gestartete Studie zu diesem Thema befindet sich derzeit noch in der Auswertung. Bislang ist in den meisten Fällen kein sicherer Nachweis der Infektion möglich, daher wird die Diagnose üblicherweise anhand der klinischen Symptome gestellt.

Typische Symptome des Soors innerhalb der Brust

  • Brennende, stechende Schmerzen, die von der Mamille ausstrahlend durch die Brust und teilweise bis in den Rücken ziehen
  • Die Schmerzen treten besonders in Verbindung mit dem einsetzenden Milchspendereflex auf und können nach dem Stillen Minuten bis Stunden anhalten
  • Äußerlich oft unauffälliger Mamillen- und Areola-Bereich, manchmal dezente Symptome wie bei oberflächlicher Soor-Infektion

Achtung! Differentialdiagnose Vasospasmus!
Immer wieder werden in der Praxis Frauen fälschlicherweise auf Soor hin behandelt, obwohl bei genauer Diagnostik ein Vasospasmus den Beschwerden zugrunde liegt. Auch in diesem Fall können brennende, stechende Schmerzen auftreten. Eine genaue Beobachtung bezüglich der Veränderung der Mamillen nach dem Stillen ist wichtig.

  • Breastfeeding Atlas, 3. Auflage 2005-Vasospasmus
    Differentialdiagnose Vasospasmus

Therapie

Die Behandlung der Soorinfektion in der Brust erfolgt systemisch und entlang der Empfehlungen aus Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit (Spielmann/Schaefer, 8. Auflage 2012, Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag):
Manchmal ist bei sehr kurzer Beschwerdedauer eine Einmalgabe von Fluconazol (200 mg) ausreichend, meist ist jedoch eine länger andauernde Therapie notwendig. Dazu wird empfohlen, einer Initialdosis von 200 - 400 mg Fluconazol eine mehrtägige bis mehrwöchige Einnahme von 100 - 200 mg Fluconazol täglich folgen zu lassen, auch einige Tage über die Beschwerdefreiheit hinaus.
Alle oben genannten therapiebegleitenden Maßnahmen bezüglich Hygiene, Ernährung etc., sind auch hier sinnvoll und zu empfehlen.

Ein im November 2011 in der Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie veröffentlichter Kongressbeitrag von vier Berliner Gynäkologen, darunter Prof. Dr. Klaus Vetter, gibt einen kurzen Überblick über die Problematik und empfiehlt ebenfalls die obige Vorgehensweise. Das Abstract ist frei online zugänglich:

Ein umfassendes Eltern-Informationsblatt zu Soorinfektionen in der Stillzeit steht kostenlos bei La Leche Liga Deutschland e.V. zum Download zur Verfügung und kann auch in gedruckter Form im LLL-Shop erworben werden: