Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Brustsoor in der Stillzeit

Überblick über den Stand des Wissens

Soorinfektionen der Brust können in jeder Phase der Stillzeit auftreten. Der häufigste Erreger von Pilzerkrankungen ist Candida albicans, der auch bei einem gesunden Menschen im Mundraum, Gastrointestinal- und Urogenitalbereich zu finden ist.
Unter normalen Bedingungen kann der Körper das Wachstum von Candida albicans regulieren, bei verminderter Immunität oder Belastung kann die Besiedlung zunehmen (Walker, 2017:591). Für die Unterstützung und Betreuung betroffener Frauen ist es wichtig, die neuesten Erkenntnisse aus Forschung und Praxis zu nutzen und anzuwenden.

Diese Fachseite soll Ihnen einen Überblick über den derzeitigen Stand des Wissens zum Thema Brustsoor geben und Ihnen Materialien für die Begleitung betroffener Mütter zur Verfügung stellen.

Nach neueren Forschungen scheint die Diagnose „Candidiasis“ zu oft gestellt zu werden (Jiménez et al, 2017; Mutschlechner et al, 2016).
Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mutter Soor hat, ist laut Walker (2017:591) nur dann gegeben, wenn eine Kombination von mehreren Symptomen gleichzeitig auftritt: glänzende und/oder schuppige Haut von Mamille / Areola, brennende oder stechende Schmerzen in der Brust.
Bei der Diagnosestellung sind bakterielle Infektionen, subakute Mastitis und Vasospasmus als Differentialdiagnosen unbedingt mit in Betracht zu ziehen.

Faktoren, die eine Infektion mit Candida albicans begünstigen:

  • Müdigkeit, Stress, Abwehrschwäche
  • Medikamentenbehandlung mit Antibiotika, Kontrazeptiva und/oder Steroiden
  • feucht-warmes Klima in Kombination mit einer wunden Mamille
  • Diabetes mellitus
  • Ekzeme und andere Hauterkrankungen
  • Mangelnde Hygiene, aber auch übertriebene Hautpflege
  • Ernährungsfehler - viel Zucker und Stärke, Vitamilmangel
  • Übertragung durch das Baby, vermehrt bei Frühgeborenen und kranken Kindern

1. SOOR IM BEREICH DER MAMILLE

Mütterliche Symptome:

  • Brennende, schmerzende, empfindliche und/oder wunde Mamillen, die möglicherweise über Wochen nicht heilen
  • Juckreiz
  • Mamillen und Areola perlmuttartig glänzend, rosa- bis pinkfarben, schuppig, rissig, mit kleinen Bläschen oder weißlichen Belägen
  • Leichte Pickelchen, evtl. kreisrunde Hauterscheinung
  • Depigmentierung der Areola
  • Wunde Mamillen, wenn schon längere Zeit gestillt wurde
  • Ggf. Vaginalpilz; Übertragung im Geburtskanal auf das Baby möglich
  • Kleidung oder warmes Wasser beim Duschen auf den Mamillen wird schlecht vertragen
  • Breastfeeding Atlas, 3. Auflage 2005
    Klassisches Erscheinungsbild, rosa glänzende Mamille – ©Breastfeeding Atlas, 2005
  • G. Nindl
    Therapie mit Clotrimazol, Heilung innerhalb einer Woche – © G. Nindl

Kindliche Symptome:

  • Weiße Beläge der Wangenschleimhaut
  • Nicht abwischbarer weiß-grauer Belag auf der Zunge
  • Schlechtes Trinken (Schmerzen im Mund)
  • Am Gesäß: wunde gerötete Haut mit Pickelchen, hartnäckiges Wundsein
  • Ch. Herzog
    Soorinfektion-Zunge des Kindes, Behandlung mit Daktarin Mundgel lokal, deutliche Besserung nach 24 Stunden, symptomlos nach 14 tägiger Anwendung – © Ch. Herzog

Therapie:

Sowohl die Mutter wie auch das Kind müssen bei einer Soorinfektion gleichzeitig behandelt werden, auch wenn die Symptome nur bei einer Person sichtbar sind („Ping-Pong-Effekt“). Das Kind bekommt den Wirkstoff in den Mund als Gelform oder Suspension. Die Mutter kann eine Salbe oder Creme mit demselben oder einem ähnlichen Wirkstoff verwenden (ILCA Core Curriculum, 2018:325). Erhältliche Wirkstoffe: Clotrimazol (z.B. Canesten® oder andere), Miconazol (z.B. Daktar® oder andere) oder Nystatin (z.B. Mykostatin® oder andere).

Zu beachten: Muttermilch sollte während einer Soorinfektion nicht eingefroren werden, da eine Re-Infektion bei Verwendung der Milch möglich ist.

Zusätzliche Maßnahmen sind sinnvoll: gute Handhygiene, alle Gegenstände auskochen, die im Mund des Kindes waren (Schnuller etc.), Wäsche von Mutter und Kind möglichst heiß waschen/auskochen und Einmalstilleinlagen verwenden.

  • A. Hemmelmayr
    Zuerst mit Hydrocortison auf Ekzem behandelt, Besserung erst nach Behandlung mit Miconazol lokal – © A. Hemmelmayr
  • Ch. Herzog
    Behandlung mit Daktarincreme lokal, Besserung nach 24 Stunden, symptomlos nach 14 Tagen Anwendung – © Ch. Herzog

Problematisch sind häufige Resistenzen gegen die gängigen Medikamente. Eine Kombination eines Antimykotikums mit einem Antibiotikum kann notwendig werden, wenn die Mamillen sehr wund sind. Bei schwer heilenden Mamillen ist die Kombination Antimykotikum und Cortison zu überlegen (siehe auch → Fachseite "Wunde Mamillen").

Bei hartnäckiger Infektion kann eine Umstellung der Ernährung der Mutter hilfreich sein:
Milchprodukte, Weißmehl und Zucker verringern, Knoblauch, Zink und B-Vitamin-Komplex als Nahrungsergänzung (Lauwers & Swisher, 2016: 388), evtl. Gabe von Probiotika.

2. SOOR IN DER BRUST

Insbesondere bei Verdacht auf Soorinfektion in der Brust ist eine genaue Anamnese erforderlich. Ähnliche Symptome treten auch bei Vasospasmus und subakuter Mastitis auf und müssen daher gründlich bedacht werden.
Soor lässt sich an der Mamille selten mit Abstrich (Hautschuppenprobe) nachweisen. Auch ein Nachweis über die Muttermilch ist schwer möglich (Hale, 2009; Jiménez et al, 2017; Mutschlechner et al, 2016).

In den vergangenen Jahren hat es mehrere Versuche gegeben, die Labordiagnostik zu verbessern. Auch eine österreichische Studie zu diesem Thema hat ein neues Verfahren getestet. Wir bedanken uns bei den Autorinnen und Autoren, die uns die Studie zum Download zur Verfügung gestellt haben:

Umgang mit Soor in der Brust:

  • Typische Symptome: Stechende oder brennende Schmerzen in einer oder beiden Brüsten während oder nach dem Stillen in Kombination mit Hautsymptomen (s. oben)
  • Therapie bei der Mutter systemisch, wenn lokale Maßnahmen nicht reichen
  • Mittel der Wahl bei systemischer Behandlung: Fluconazol (Fungata®, Diflucan®)
  • Beim Kind Einsatz eines lokalen Antimykotikums

Behandlung mit Fluconazol (Diflucan®, Flucosept®) 150 mg / Tag für 12 Tage. Bewährt hat sich auch eine höhere Initialdosis, also am 1. Tag 300 mg, dann 10 Tage 150 mg. Zur Rezidivprophylaxe ist es in vielen Fällen sinnvoll, noch für 1-2 Wochen eine Nachbehandlung mit einer Tagesdosis von 50 mg anzuschließen. Dank der relativ geringen Toxizität des Fluconazols ist das Weiterstillen unproblematisch, trotzdem muss die Indikation zur Therapie streng gestellt werden (Lauwers & Swisher, 2016:387; Schaefer & Spielmann, 2012: 636; Wilson-Clay & Hoover, 2017:93).
Alle oben genannten therapiebegleitenden Maßnahmen bezüglich Hygiene, Ernährung etc., sind auch hier sinnvoll und zu empfehlen.

Vorsicht: Fluconazol kann eventuell als Nebenwirkung einen Vasospasmus auslösen (Herzl / Goldfarb, 2009).

Achtung! Differentialdiagnose Vasospasmus!
Wenn nach konsequenter Soor-Therapie keine Besserung eintritt muss erneut nach einer anderen Ursache geforscht werden.

  • Breastfeeding Atlas, 3. Auflage 2005-Vasospasmus
    Differentialdiagnose Vasospasmus – © Breastfeeding Atlas, 2005

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