Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Brustmassage

Ein hilfreicher Baustein für einen guten Stillbeginn

Brustmassage-Techniken sind vermutlich so alt wie die Menschheit. Auch heute noch verwenden viele stillenden Frauen intuitiv ihre Hände zur manuellen Stimulation und Unterstützung, z.B. bei einem Milchstau. Bereits in den ersten Tagen kann eine sanfte Brustmassage dazu beitragen, den Stillbeginn zu erleichtern und den Aufbau der Milchbildung zu etablieren.

Viele weitere Faktoren tragen zu einem gelingenden Stillstart bei und greifen ineinander. Wir haben diese auf unserer folgenden Fachseite für Sie zusammengefasst:

Häufig angewendete Massagetechniken an der Brust sind

  • Brustmassagen zur Oxytocinausschüttung und als Vorbereitung zur Gewinnung von Muttermilch
  • Brustkompression zur Steigerung des Milchtransfers und zur Erhöhung von Milchmenge und Fettgehalt der Muttermilch
  • Reverse Pressure Softening Massage (RPS) für die Zeit der Initialen Brustdrüsenschwellung ("Milcheinschuss")

Dabei gilt für alle Massagetechniken:

  • Die Massage wird unter Anleitung von der Mutter selbst an ihrer eigenen Brust durchgeführt
  • Die Berührung bleibt stets angenehm, zu keinem Zeitpunkt soll die Massage zu Schmerzen führen!
  • Falls im Einzelfall eine Fachperson die Mutter mit ihren eigenen Händen unterstützt, ist dabei zuvor das Einverständnis der Frau einzuholen und auf eine gute Handhygiene zu achten
  • Lockerung des Brustgewebes
    Oxytocinsteigernde Massage kurz vor dem Anlegen oder Gewinnen von Muttermilch – © T. Juppe-Schütz
  • Stimulation zur Aufrichtung der Mamille
    Sanfte Stimulation zur Aufrichtung der Mamille – © T. Juppe-Schütz

In einem Artikel, der 2018 in der Zeitschrift HebammenInfo erschienen ist, stellen Isolde Seiringer, IBCLC und Anja Bier, IBCLC, einige Grundlagen zum Thema Brustmassage vor. Wir stellen Ihnen den Artikel mit freundlicher Genehmigung des Verlags zum Download zur Verfügung:


Brustmassagen in der Stillberatung: die drei wichtigsten Methoden

Oxytocinsteigernde Brustmassagen

Es ist sinnvoll, dass sich die werdende Mutter bereits in der Schwangerschaft mit ihrer Brust vertraut macht und eine einfache Brustmassage erlernt, um bei Bedarf auch postpartal rasch zur Kolostrumgewinnung angeleitet werden zu können.

Die Anleitung zu einer oxytocinsteigernden Brustmassage hat viele positive Effekte:

  • Die Mutter erlebt den Umgang mit ihrer Brust positiv und bewusst, Zunahme des Kompetenzgefühls und des Selbstvertrauens
  • Schnellere, erleichterte und erhöhte Oxytocin-Ausschüttung mit allen bekannten positiven Konsequenzen: Schonung des zu Beginn empfindlichen Brustgewebes, rascherer Stillerfolg für das Baby (dadurch erhöhte Wachheit, besserer Gewichtsverlauf)
  • Erhöhung der Milchmenge, Erhöhung des Fettgehalts der Milch, geringere Zufütterungsraten, geringere Folgekomplikationen wie z.B. Hypoglykämie
  • Milderer Verlauf der Initialen Brustdrüsenschwellung ("Milcheinschuss"), geringere Neigung zu Milchstaus und Mastitiden
  • Hilfreich vor der Gewinnung von Muttermilch (von Hand oder mit der Pumpe), da die Oxytocinausschüttung erhöht und somit Milchfluss und Milchmenge gesteigert werden

Die genaue Massage-Technik ist nicht bedeutsam, wictig ist, dass jede oxytocinsteigernde Brustmassage auf den folgenden Prinzipien beruht:

  • Erwärmung der Brust durch die warmen Hände
  • Sanfte, liebevolle Berührung der Hautoberfläche (=> Erhöhung des Oxytocinspiegels)
  • Lockerung des Brustgewebes, z.B. durch Hin- und Herschieben mit den Handflächen, kreisende Bewegungen mit den Fingerspitzen oder leichtem Schütteln der Brust
  • Sternförmiges Streicheln mit den Fingerspitzen, leichtes Kitzeln o.ä. zur Stimulation und Aufrichtung der Mamille
  • Oxytocinmassage
    Einfache Oxytocin-Massage zur Lockerung und Erwärmung des Gewebes – © A. Bier
  • Marmet
    Brustmassage nach Marmet mit kreisenden Bewegungen – © A. Bier

Wir stellen zwei mögliche Methoden vor, die beide unmittelbar vor dem Stillen oder der Handgewinnung von Kolostrum angewendet werden können. Die Massage dauert dabei nur rund 30 Sekunden, wobei die Marmet-Methode ein wenig zeitintensiver ist.

Einfache Oxytocin-Massage

  • Hände vollflächig auf der Brust gegenüberliegend auflegen und das Brustgewebe sanft hin- und her verschieben
  • Hände 2 - 3 Mal rund um die Brust herum versetzen und wiederholen
  • Wenn gewünscht, kurzes leichtes Schütteln der gesamten Brust ("Milchshake" – auch Lachen erhöht den Oxytocinspiegel)
  • Mit den Fingerspitzen sternförmig vom Brustkorb zur Mamille hin und über sie hinweg streicheln

Marmet-Methode (nach Chele Marmet)

  • Mit sanftem Druck von 3 - 4 Fingern in kleinen kreisenden Bewegungen vom Brustkorb beginnend langsam spiralförmig rund um die Brust zur Mamille hin massieren
  • Sanftes Streicheln sternförmig vom Brustkorb bis über die Mamillenspitze
  • Vorbeugen und leichtes Schütteln der Brüste ("Milchshake" – auch Lachen erhöht den Oxytocinspiegel)

Die Marmet-Methode wird von vielen Müttern in der gesamten Stillzeit intuitiv eingesetzt, um verhärtete Stellen vor oder während des Stillens und Abpumpens zu lösen.

Brustkompression

Die Brustkompression stellt ein einfaches und effektives Hilfsmittel dar, das die gesamte Stillzeit über bei Bedarf durch die Mutter eingesetzt werden kann. Sie führt zu einer Verbesserung des Milchflusses und steigert den Fettgehalt der Muttermilch. Häufig wird sie mit abwechselnder Massage der Brust während des Stillens oder Abpumpens kombiniert.

Indikationen zum Einsatz der Brustkompression

  • Das Kind wird schon nach kurzer Zeit an der Brust schläfrig oder inaktiv
  • Das Kind nimmt trotz gutem Stillmanagement nicht optimal zu
  • Die Mutter möchte während des Pumpens ihre Milchmenge und/oder den Fettgehalt steigern ("Hands-on-Pumping")
  • In jeder Situation, in der der Milchfluss gestört ist (z.B. Milchstau)

Durchführung

  • Die Mutter umfasst während des Stillens ihre Brust nahe des Brustkorbs/ in ausreichendem Abstand zur Areola vollflächig mit einem C-Griff
  • Sie komprimiert die Brust und schiebt das Brustdrüsengewebe sanft nach hinten in Richtung Brustkorb
  • Die Kompression wird einige Sekunden gehalten, bevor die Mutter sie allmählich wieder löst
  • Die Mutter versetzt die Position ihrer Hand ein wenig und beginnt dann erneut mit der Kompression, mit der Zeit wandert sie um die Brust herum
  • Bei Bedarf kann zwischendurch auch massiert werden

Durch die Kompression beginnt das Kind, intensiver zu saugen und zu schlucken und wird ausdauernder an der Brust bleiben. Manchmal tritt dieser Effekt auch auf, wenn die Mutter die Kompression wieder löst. Wenn das Kind erneut ermüdet, beginnt die nächste Kompressionsphase an einer anderen Stelle der Brust.

Reverse Pressure Softening Methode (RPS)

Während der Initialen Brustdrüsenschwellung ("Milcheinschuss") kommt es durch die Schwellung der Brust und die Spannung auf das Gewebe oft zu einer Abflachung der Mamille. Dies ist besonders ausgeprägt bei Frauen, die unter der Geburt größere Mengen an Infusionen erhalten haben.

Das Kind kann in diesen Fällen die Brust nur noch schwer erfassen, was zu Schmerzen und Verletzungen an der Mamille führen kann. Wird ein Vakuum eingesetzt, z.B. durch eine Pumpe, kann sich die Ödembildung so verstärken, dass ein effektives Entleeren der Brust weder durch das Baby noch durch die Pumpe möglich ist.

Jean Cotterman, IBCLC, hat eine Methode entwickelt, die sie für solche Fälle als sehr hilfreich erwiesen hat. Sie bezeichnet sie als Reverse Pressure Softening Methode (RPS).

Mit Hilfe dieser Methode kann Schmerzen und wunden Mamillen vorgebeugt werden und vorhandene Schwellungen können rascher abgebaut werden. Die RPS-Methode wird unmittelbar vor dem Anlegen des Kindes oder des Abpumpens eingesetzt und hat zum Ziel, die Gewebsflüssigkeit rund um die Mamille etwas zurückzudrängen, so dass die Areola weicher wird und die Mamille leichter erfasst werden kann.

Es gibt mehrere Varianten, die wie Methode durchgeführt werden kann. In allen Fällen erfolgt dies normalerweise durch die Mutter selbst an ihrer eigenen Brust, sie sollte allerdings kurze Fingernägel haben. Es wird ein steter sanfter Druck in das Gewebe in Richtung Brustkorb ausgeübt und für ca. 1 Minute oder länger gehalten. Durch Versetzen der Finger kann dies wiederholt werden, bis schließlich direkt um die Mamille herum ein kleiner "Ring" entstanden ist, in dem das Gewebe weicher ist.

  • RPS_1©KyleCotterman
    Die Fingerspitzen beider Hände werden ringförmig um die Mamille herum angeordnet, der Mittelfinger bleibt gebeugt – © Kyle Cotterman
  • RPS_2©KyleCotterman
    Einhändige Variante: blütenförmige Anordnung der Finger rund um die Mamille – © Kyle Cotterman
  • RPS_3©KyleCotterman
    Beidhändige Variante, z.B. bei langen Fingernägeln – © Kyle Cotterman

Weiterführende Materialien für Eltern

Brustmassage wird häufig in Vorbereitung auf oder in Kombination mit der Gewinnung von Kolostrum/ Muttermilch eingesetzt. Durch eine vorbereitende Massage kann die Handgewinnung oder das Abpumpen erleichtert werden, eine Massage während des Abpumpens erhöht den Milchfluss und den Fettgehalt der Milch. Auch direkt nach dem Abpumpen kann durch eine zusätzliche Handentleerung häufig nochmals ein wenig Milch gewonnen werden.

Vertiefende Informationen zu diesem Themengebiet erhalten Sie auf unserer Fachseite:

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