Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Sicherer Babyschlaf

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Schlafen als Thema für die Beratung von jungen Eltern

Das Thema ist ein höchst emotionales: junge Eltern fürchten den sogenannten Plötzlichen Kindstod (SIDS) und versuchen, durch Gestaltung einer sicheren Schlafumgebung die Risiken zu minimieren. Auf dieser Fachseite wollen wir fundierte Informationen zum aktuellen Stand der Forschung geben und Ihnen verschiedene Materialien vorstellen, die in der Beratung junger Eltern eingesetzt werden können.

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Überblick über das, was wir wissen

In den letzten Jahren wurden verschiedene Studien zum Thema veröffentlicht, die teilweise widersprüchliche Ergebnisse lieferten und manchmal auch massiv kritisiert wurden. Welche Punkte sind unstrittig, was wird diskutiert?

Als gesichert gilt:

  • Rauchen der Eltern, auch während der Schwangerschaft, erhöht das Risiko für SIDS deutlich
  • Stillen wirkt protektiv
  • Das Kind sollte im gesamten 1. Lebensjahr im Zimmer der Eltern schlafen
  • Die Rückenlage ist die risikoärmste Schlafposition, Bauchlage ist zu meiden
  • Eltern sollten nicht durch Alkohol oder andere Drogen beeinträchtigt sein, wenn sie sich nachts um ihr Kind kümmern
  • Sofas und andere provisorische Schlafplätze sind nicht sicher
  • Vom Bett des Kindes sollten keine Gefahren ausgehen (lose Schnüre, Kissen, Utensilien, unter denen das Kind ersticken oder sich verletzen kann)
  • Einen großen Anteil des Risikos machen Faktoren aus, die nicht beeinflussbar sind: Frühgeborene, Babys von sehr jungen Müttern und Mehrlinge tragen ein höheres Risiko für SIDS, außerdem sind die Fallzahlen in der kalten Jahreszeit höher

Folgende Punkte werden noch diskutiert:

  • Ein Schnuller wirkt offenbar protektiv - ob das jedoch auch für gestillte Kinder gilt, ist umstritten
  • Das gemeinsame Schlafen im Elternbett ("Co-Sleeping" oder "Bedsharing") ist unter sicheren Voraussetzungen und bei Fehlen von Risikofaktoren nach neuesten Studien unkritisch, in einer unsicheren Schlafumgebung aber offenbar riskant
  • Höchstwahrscheinlich ist SIDS multifaktoriell bedingt, d.h. es müssen mehrere Risikofaktoren zusammenwirken, damit es zu einer lebensbedrohlichen Situation kommt

Erschwerend in dieser Diskussion kommt hinzu, dass ein Verbot des gemeinsamen Schlafens von Mutter und Kind sich in Studien als Risiko für eine gelingende Stillbeziehung gezeigt hat und möglicherweise zu einem verfrühten Abstillen beiträgt. Damit würde durch die strikte Vermeidung des Co-Sleepings der positive Faktor "Stillen" reduziert und dadurch wiederum das SIDS-Risiko erhöht.
Als mögliche Lösung für ein sicheres und zugleich praktikables Bed-Sharing bietet sich das Schlafen des Babys in einem sogenannten Beistellbett oder "Baby-Balkon" an.

Wissenschaftliche Studien der letzten Jahre

Zu den thematisch relevanten englischsprachigen Studien und Artikeln der letzten Jahre haben wir verschiedene deutschsprachige Artikel zusammengestellt oder auf entsprechende Beiträge von KollegInnen verlinkt. Außerdem stellen wir Ihnen ein Handout von Prof. Dr. Daniela Karall zur Verfügung, die auf dem Kongress 2015 in Fulda einen Vortrag über das Thema Bed-Sharing und SIDS gehalten hat:

Es gibt auch einige englischsprachige Materialien für Fachpersonal, das sich gut als Diskussionsgrundlage für Gespräche mit Kollegen eignet. Im Folgenden finden Sie einige hilfreiche Links:

Materialien für die Arbeit mit Eltern

In der täglichen Beratungspraxis mit jungen Eltern kommt es trotz der wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahre immer noch zu vielen Fragen und großer Verunsicherung, wenn es um die Frage geht, wie sie das Risiko für ihr Kind verringern können. Wir möchten Ihnen daher die folgenden Materialien und Links als Unterstützung für Ihre Arbeit mit Eltern empfehlen:

Auch im englischsprachigen Bereich gibt es einige sehr gute Informationsmaterialien zum Schlafen, die wir z.B. in der Arbeit mit Migrantinnen nutzen können oder die uns als Grundlage für Gespräche in Fachkreisen dienen. Im Folgenden finden Sie einige hilfreiche englischsprachige Links:

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