Stillen fördern

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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 02/2026
Autorin: Gudrun von der Ohe, Ärztin und IBCLC, Hamburg
Das Robert-Koch-Institut (RKI) scheibt in ihrem regelmäßig erscheinenden Bulletin im Artikel 48/25, dass aufgrund des internationalen Reiseverkehrs und des Klimawandels zunehmend importierte Infektionen in Europa auftreten. Die Informationen beruhen auf Daten von 2020 bis 2024 aus Deutschland, die gemäß Infektionsschutzgesetz gemeldet wurden. Gut zu wissen: In diesem Zeitraum wurden keine Fälle von Läuserückfallfieber, Pest, Poliomyelitis oder Tollwut übermittelt. Von Fleckfieber gab es 2021 lediglich einen Fall. Auch Infektionen mit viralen Erregern, die hämorrhagisches Fieber auslösen wurden nicht bekannt.
Infolge des Klimawandels sind inzwischen einige Überträger tropischer Infektionskrankheiten – darunter bestimmte Mückenarten – auch in europäischen Ländern heimisch geworden. Eine autochthone Infektion liegt vor, wenn sich eine in einer bestimmten Region lebende Person die Erkrankung innerhalb dieser Region zuzieht. Demgegenüber steht die importierte (allochthone) Infektion, bei der sich eine in dieser Region ansässige Person außerhalb des Gebiets ansteckt – beispielsweise im Rahmen einer Reise.

Importiert wurden vor allem Fälle von Plasmodium falciparum übermittelt, meist aus dem afrikanischen Kontinent. An zweiter Stelle lag Plasmodium vivax, meist von anderen Kontinenten. Damit sind diese Reisekrankheiten importierte Infektionen. Die WHO hat die Region Europa im Jahr 2016 als erste ihrer sechs weltweiten WHO-Regionen offiziell für frei von autochthoner Malaria erklärt. Die Malariafälle in Europa sind somit allochthone, also importierte Infektionen.
Eine Schutzimpfung gegen Malaria für Reisende steht nicht zur Verfügung. Die Möglichkeiten zur Vorbeugung der Erkrankung umfassen daher die Expositionsprophylaxe und die Chemoprophylaxe. UNICEF gab 2025 bekannt, dass es nach langer Forschung zwei Impfstoffe gibt, die vor allem bei Kindern eingesetzt werden und diese wirkungsvoll gegen Malaria schützen können.
Bei einer Malaria-Infektion kann gestillt werden, da die Erkrankung durch den Stich der infizierter Anopheles-Mücken übertragen wird, nicht über die Muttermilch. Das Stillen selbst stellt daher kein Ansteckungsrisiko für das Kind dar. Viele gängige Medikamente gelten in der Stillzeit als anwendbar.
Das Dengue-Virus (DENV) ist weltweit das am häufigsten auftretende durch Stechmücken übertragene humanpathogene Virus. Diese Mücken sind tagaktiv, deshalb ist ein konsequenter Mückenschutz notwendig sowie langärmelige Kleidung.
Die Denguefieber-Erkrankungen in Europa sind somit importierte Infektionen. Die Fallzahl hat sich 2024 fast verdoppelt.
Es existiert ein Impfstoff, der ab 4 Jahren zugelassen ist. Da es sich um einen Lebedimpfstoff handelt, sollte dieser nicht in Schwangerschaft und Stillzeit verabreicht werden.
Laut der Weltgesundheitsorganisation wird Dengue nicht über die Muttermilch übertragen. Es gibt keine generelle Empfehlung, das Stillen bei einer Dengue-Infektion zu unterbrechen.
Diese Erkrankung ist eine mit Fieber und Gelenkbeschwerden einhergehende tropische Infektionskrankheit, die durch Stechmücken übertragen wird.
In Deutschland sind regional und saisonal Überträger aktiv. Autochthone Übertragungen des Chikungunyavirus in Deutschland wurden bisher jedoch nicht übermittelt, wohl aber in Frankreich.
Es gibt einen Lebendimpfstoff, der in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert ist. Desweiteren gibt es einen Totimpfstoff, der für Personen ab 12 Jahren zugelassen ist und nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung in der Schwangerschaft oder Stillzeit eingesetzt werden kann.
Laut der WHO wird Dengue nicht über die Muttermilch übertragen. Das Virus wird durch Mücken (vor allem Aedes-Arten) übertragen, nicht durch das Stillen. Es gibt keine generelle Empfehlung, das Stillen bei einer Dengue-Infektion zu unterbrechen.
In seltenen Fällen kann es zu einer Übertragung von der Mutter auf das Neugeborene rund um die Geburt kommen (perinatale Transmission). Das betrifft jedoch nicht die Muttermilch selbst, sondern die Viruszirkulation im Blut der Mutter.
Hauptüberträger ist – wie auch bei Dengue- und Gelbfieber – die Stechmücke Aedes aegypti, die in tropischen und teilweise auch in subtropischen Regionen weit verbreitet ist. Darüber hinaus ist eine sexuelle Übertragung möglich.
Zikaviren können bei infizierten Schwangeren über die Plazenta auf das ungeborene Kind übergehen. Dadurch besteht das Risiko schwerer Fehlbildungen, insbesondere einer Mikrozephalie beim Neugeborenen. Aus diesem Grund sollte nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet in den ersten drei Monaten eine Schwangerschaft vermieden und konsequent verhütet werden.
Eine Ansteckung durch Mücken in Deutschland wurde bisher nicht beschrieben. Das Risiko für ein solches Ereignis wird auch bislang als sehr gering eingeschätzt.
Es gibt weder einen Impfstoff noch Medikamente, mit dem sich Zikavirus-Infektionen gezielt behandeln lassen. (RKI, 2019)
Laut WHO wird das Zika-Virus in der Muttermilch nur sehr selten nachgewiesen, und es gibt bisher keine Hinweise, dass Säuglinge dadurch erkranken. Deshalb ist Stillen trotz Infektion in der Regel möglich. (WHO, 2023)

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