Stillen fördern

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Breastfeeding and development of malocclusion: A systematic review
Koul, Rahul; Datana, Sanjeev; Ray, Saugat. Journal of Indira Gandhi Institute Of Medical Sciences. 9. 2023. https://doi.org/10.4103/jigims.jigims_38_22
Influence of the type of breastfeeding as a risk or protective factor for the onset of malocclusions: a systematic review
Cenzato N, Berti C, Cazzaniga F, Di Iasio G, Scolaro A, Maspero C. Eur J Paediatr Dent. 2023 Dec 1;24(4):329-333. https://doi.org/10.23804/ejpd.2023.2015
Effects of non-nutritive sucking habits on malocclusions: a systematic review
Sadoun C, Templier L, Alloul L, Rossi C, Renovales ID, Sanchez IN, Sahagún PM. Clin Pediatr Dent. 2024 Mar;48(2):4-18. https://doi.org/10.22514/jocpd.2024.029
Risk of Early Childhood Dental Caries Associated With Prolonged Breastfeeding: A Systematic Review and Meta-Analysis
Lustosa K, Rodrigues LRS, Rocha RM, Prudente TP, Mezaiko E, Silva FPY, Silva BSF. Int J Paediatr Dent. 2025 Sep;35(5):964-985. https://doi.org/10.1111/ipd.13313
Does breastfeeding increase the risk of early childhood caries (ECC)? A systematic review
Alexaki F, Kostopoulou M, Koleventi K, Lygidakis NN. Eur Arch Paediatr Dent. 2025 Aug;26(4):645-656. https://doi.org/10.1007/s40368-025-01051-4
Das Thema "Zahngesundheit und Stillen" wird immer wieder kontrovers diskutiert, sobald es um das "längere" Stillen geht. Manchmal finden sich jedoch auch schon für Säuglinge noch veraltete Informationen, die z.B. behaupten, dass Muttermilch grundsätzlich kariogen, also kariesauslösend wirken würde.
Schon seit längerem wissen wir, dass das Gegenteil der Fall ist: Stillen und Muttermilch im Säuglingsalter tragen entscheidend zu einer guten Zahngesundheit bei. Und auch für das Kleinkindalter gibt es neue Erkenntnisse: "längeres" Stillen scheint erst ab einem Alter von 24 Monaten mit einem erhöhten Karies-Risiko verknüpft zu sein.
Im Folgenden stellen wir Ihnen einige aktuelle Studien der letzten Jahre vor.
ZAHNFEHLSTELLUNGEN
Im Jahr 2023 wurden von zwei Forschungs-Teams in Indien und Italien unabhängig voneinander Review-Artikel erstellt, die jeweils insgesamt 16 Studien seit 2000 zum Thema "Zahnfehlstellungen und Stillen" einschlossen. Beide Reviews kamen zu dem Schluss, dass Stillen positive Auswirkungen auf das Schädel- und Kieferwachstum, die Knochenentwicklung und den Tonus der Gesichtsmuskulatur hat. Stillen fördert außerdem die gesunde Nasenatmung.
In Summe zeigte sich, dass Stillen dosisabhängig zu einem verringerten Risiko für verschiedene Formen von Zahnfehlstellungen führt und dass gestillte Kinder seltener als Flaschenkinder sogenannte "non-nutritive habits" entwickeln (z.B. Daumenlutschen oder Schnullergebrauch), die zu einer Entwicklung von Zahnfehlstellungen beitragen können.
Beide Studien sind vollständig frei verfügbar → hier und → hier.
Ein spanisches Review, das 2024 erschien, schloss 21 Studien ein und kam erneut zu denselben Ergebnissen. Die Studie ist vollständig frei verfügbar → hier.
KARIES
Dass Stillen im ersten Lebensjahr das Karies-Risiko verringert, ist bereits seit längerem bekannt. Bisherige Studien kamen allerdings meist zu dem Schluss, dass längeres Stillen über das erste Lebensjahr hinaus das Risiko für Karies ansteigen lässt – insbesondere das nächtliche Stillen stand dabei in der Kritik.
Aktuelle Studien haben differenzierter gezeigt, dass vor allem bei früher Einführung von Zucker bzw. hohem Zuckerkonsum, schlechter Zahnhygiene und fehlender Fluoridierung solche Effekte zu erwarten sind.
Zwei aktuelle Meta-Analysen aus dem Jahr 2025 kamen unabhängig voneinander nun zu dem Ergebnis, dass das Karies-Risiko für gestillte Kinder erst ab dem Alter von 24 Monaten ansteigt:
Das brasilianische Team um Karina Lustosa schloss insgesamt 25 Studien ein und kam zu dem Ergebnis, dass Stillen bis 12 Monate eine schützende Funktion hat, zwischen 12 und 24 Monaten weder schützt noch schädlich wirkt und ab 24 Monate das Karies-Risiko erhöht. Die Studie ist → hier vollständig frei verfügbar.
Ein griechisches Team um Filothei Alexaki schloss 8 Studien in ihre Meta-Analyse ein und kam zu denselben Ergebnissen wie das brasilianische Team. Sie weisen explizit darauf hin, dass Risikofaktoren wie Zuckerkonsum und Zahnhygiene das individuelle Risiko entscheidend beeinflussen und dass Eltern von Säuglingen und Kleinkindern klare Informationen zu diesem Thema benötigen. Die Studie ist → hier vollständig frei verfügbar.
© Januar 2026, Anja Bier, IBCLC
und das EISL-Newsletter-Team:
Rhiannon Grill, IBCLC; Natalie Groiss, IBCLC; Simone Lehwald, IBCLC; Gabriele Nindl, IBCLC; Gudrun von der Ohe, Ärztin und IBCLC

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