Stillen fördern

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Pumps, patriarchy, and profits: the rise of breast pumping and “human milk feeding” and why preserving “breastfeeding” is important.
Bartick, M., Smith, J. & Gribble, K. Int Breastfeed J 21, 28 (2026). https://doi.org/10.1186/s13006-026-00825-w
Invisibility or visibility in intimate care at the workplace? Examining the use of breast pumps
Yadav, D., Balaam, M., & Lampinen, A. Proceedings of the 2023 CHI Conference on Human Factors in Computing Systems. 2023. https://doi.org/10.1145/3544548.3581411
Vorrichtungen zum Gewinnen von Muttermilch gibt es seit der Antike und stillende Frauen gewinnen aus verschiedensten Gründen regelmäßig oder hin und wieder Muttermilch, um sie dem Baby zu verfüttern, wenn es nicht direkt an der Brust stillt.
In den letzten Jahren nimmt die Verwendung von Milchpumpen weltweit zu (s. dazu z.B. → Fischer et al., 2026; → Rosenbaum et al., 2024) und der Markt an Herstellern und Produkten hat sich enorm vergrößert (s. dazu z.B. → Fortune Business Insights, 2026; → Persistence Market Research, 2014). Teilweise wird sehr offensiv für Milchpumpen geworben, so dass Schwangere und Stillende den Eindruck gewinnen können, eine Milchpumpe sei für ein erfolgreiches Stillen unerlässlich – auch "Influencer" und Social Media spielen hier eine Rolle.
Auch feministische Fragestellungen kommen zum Tragen: wenn man nicht auf die besonderen Eigenschaften von Muttermilch verzichten will, aber trotzdem Partner:innen gleichberechtigt in die Pflege und Erziehung der Kinder einbezogen werden sollen, scheint das Abpumpen und Verfüttern der Muttermilch eine logische Antwort. Gleichzeitig erhöht die Erwartung, jederzeit "schnell und unkompliziert" Milch abpumpen zu können, den Druck auf Frauen, früh an den Arbeitsplatz zurückzukehren und ohne spezifische Regelungen zum Schutz der Mutter-Kind-Dyade "funktionieren" zu müssen (s. dazu z.B.: → Boyer & Boswell-Penc, 2010).
Einige aktuelle Veröffentlichungen beschäftigen sich mit diesen Fragestellungen:
Melissa Bartick und ihre Kolleginnen beschreiben in ihrem im März 2026 veröffentlichten Artikel, dass es eine zunehmende Tendenz gibt, "Stillen" und "Ernährung mit Muttermilch" als vollständige Synonyme zu verwenden und dass die Bemühungen, das Stillen zu unterstützen und auch z.B. durch gesetzliche Regelungen zu schützen, dadurch unterminiert werden können. Pumpende Mütter brauchen schließlich nach Meinung von Arbeitgebern und entsprechenden Lobbyverbänden keine qualifizierte Stillberatung, bezahlte Elternzeit oder Anpassungen am Arbeitsplatz, die ihnen das Stillen dort ermöglichen würden. Hersteller promoten Abpumpen als einfacher, bequemer und "moderner" als direktes Stillen – und weil Milchpumpen nicht unter den WHO-Kodex fallen, dürfen sie nach Belieben beworben werden und Fachpersonal darf von Pumpenherstellern Geschenke und kostenlose Fortbildungen erhalten.
Bartick und ihre Kolleginnen führen in ihrem Artikel etliche Evidenzen an, die zeigen, dass direktes Stillen an der Brust und Verfüttern von abgepumpter Muttermilch eben nicht einfach austauschbar sind, sondern dass die konkrete Ausgestaltung Einfluss auf die Gesundheit von Mutter und Kind hat. Sie diskutieren außerdem, welche Rolle die öffentliche Gesundheitsvorsorge (z.B. durch Gesetzgebung) bei diesem Thema spielen sollte und machen konkrete Vorschläge, wie das Stillen und eine echte Wahlfreiheit von Müttern geschützt werden können.
Der Artikel ist frei zugänglich → hier verfügbar.
Das schwedische Team um Deepika Yadav beschäftigte sich in ihrer 2023 erschienenen Studie mit Milchpumpen als Geräten, die zur modernen persönlichen Gesundheitsversorgung gehören können, wie z.B. auch Insulinpumpen oder smarte Menstruationstassen. Dass Pumpen heute in unauffälligen, leisen, "unsichtbaren" Versionen zur Verfügung stehen, verändert die Art, wann und wie sie eingesetzt werden. Die Forscherinnen konstatieren, dass Körperfunktionen und (sichtbare) körperliche Bedürfnisse/ Einschränkungen in der Öffentlichkeit einerseits häufig stigmatisiert werden, andererseits z.B. durch eine alternde und sich verändernde Gesellschaft auch Menschen in besonderen Situationen in die Arbeitswelt integriert werden, so dass das Bild von "standardisierten Norm-Menschen" durchbrochen wird und moderne Technologien die Teilhabe an der Öffentlichkeit ermöglichen.
Moderne sogenannte "wearable" Pumpen, also Pumpen, die im BH getragen werden, werden von den Herstellern vor allem als Option für berufstätige Mütter beworben und häufig mit Begriffen wie "Freiheit" und "Mobilität" verknüpft. Der Markt für diese Pumpen wächst besonders stark, doch die teilweise sehr teuren Pumpen halten nicht unbedingt was sie versprechen – in der Studie von Deepika Yadavs Team beschrieben einige Mütter, die solche Pumpen nutzten, dass die Pumpen trotz der erhofften "Unsichtbarkeit" doch nicht diskret genug waren, um sie während der Arbeit tragen zu können, außerdem war für einige Mütter das Aufrechterhalten der Milchmenge problematisch.
Die Studie ist vollständig frei verfügbar → hier nachzulesen.
• Eine Milchpumpe kann bei einer medizinisch indizierten Mutter-Kind-Trennung notwendig sein, um die Milchbildung aufzubauen oder zu erhalten – z.B. für die Muttermilchernährung von Frühgeborenen ist sie unabdingbar. Milchpumpen können bei klarer Indikationsstellung ein wichtiges Hilfsmittel zum Schutz des Stillens darstellen.
• Manche Frauen entscheiden sich bewusst für eine Mischung aus Stillen und Pumpen (z.B. aus beruflichen Gründen) oder möchten ausschließlich pumpen – eine kompetente Begleitung unterstützt sie dabei, ihre persönlichen Ziele zu erreichen und das Pumpen gut zu etablieren.
• Gleichzeitig beobachten wir, dass Milchpumpen immer wieder auch ohne klare Notwendigkeit von Fachkräften empfohlen werden, häufig im frühen Wochenbett Zuhause, wenn das Stillen noch nicht gut funktioniert, das Kind zu wenig zunimmt oder wenn die Mutter wunde Mamillen hat. In all diesen Fällen sollte eine intensive Beratung und Ursachenforschung, sowie eine Verbesserung des Anlegens und des Stillmanagements im Vordergrund stehen – eine Milchpumpe ersetzt keine qualifizierte Stillberatung.
• Die Doppel-Belastung durch Pumpen und Anlegen ist für viele Frauen rasch überfordernd und kann so zu einem verfrühten Abstillen führen – ausschließliches Stillen bzw. ausschließliche Muttermilchernährung muss nicht immer das oberste Ziel sein. Es kann für Mütter entlastend sein, statt des Pumpens temporär eine künstliche Säuglingsnahrung zuzufüttern und sich parallel auf die Verbesserung des Anlegens, die Erhöhung der Stillfrequenz und -dauer, sowie die Behandlung von Schmerzen zu konzentrieren.
• Das direkte Stillen an der Brust ist keine reine "Ernährungsfrage", sondern deckt viele weitere Bedürfnisse von Mutter und Kind – und hat auch gesundheitliche Auswirkungen auf Beide, die nicht alle auf die Gewinnung und Verabreichung von Muttermilch übertragbar sind. "Buntes Stillen", bei dem nicht die Maximierung der Muttermilch-Menge, sondern Bindung, Nähe und feinfühlige Kommunikation im Vordergrund stehen, ist oft über Monate oder ins Kleinkindalter hinein noch wertvoll und kann nachhaltig etabliert werden – Pumpen über einen solch langen Zeitraum stellt hingegen meist auf Dauer eine zu große Belastung dar und wird früher beendet.
• Wenn eine Pumpe eingesetzt werden soll, benötigt die Mutter eine qualifizierte Anleitung, durch die das Pumpen so gestaltet wird, dass es für die Mutter schmerzfrei ist, sowie ressourcenschonend und praktikabel in ihren Alltag integriert werden kann. Zur konkreten Praxis der Anpassung der Brusthaubengrößen lesen Sie unseren Artikel
→ Muttermilch abpumpen in der Praxis: Evidenzen und Überlegungen
Wenn Sie mehr zum Thema Muttermilchgewinnung lesen möchten, empfehlen wir Ihnen ergänzend unsere Fachseite
→ Gewinnen und Aufbewahren von Muttermilch
© September 2026, Anja Bier, IBCLC
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Rhiannon Grill, IBCLC; Natalie Groiss, IBCLC; Simone Lehwald, IBCLC; Gabriele Nindl, IBCLC; Gudrun von der Ohe, Ärztin und IBCLC

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