Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Anlegen und Positionieren

Die EISL-Fachinformationen werden regelmäßig überprüft und ergänzt.
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 06/2026

Entscheidend für den Stillerfolg

Für eine gelingende Stillbeziehung spielt das erfolgreiche und korrekte Anlegen des Babys eine große Rolle. Mutter und Kind benötigen eine bequeme und sichere Position, in der sie auch für längere Zeit verbleiben können. Eine gute Stillposition ermöglicht dem Baby, Mamille und Brustgewebe korrekt zu erfassen und effektiv zu saugen. Durch korrektes Anlegen wird ein guter Milchfluss gefördert und eine ausreichende Milchproduktion gewährleistet.
Stillbeginn und Gesamtstilldauer werden durch gutes Anlegen und Positionieren positiv beeinflusst und legen einen wichtigen Grundstein für die Still-Selbstwirksamkeit (Breastfeeding-Self-Efficacy) der Mütter.

Als Fachpersonen kommt uns bei der Anleitung der Stillpositionen eine wichtige Aufgabe zu. Einerseits braucht es Anleitung und Vorbilder, andererseits ist es unser Ziel, dass das Mutter-Kind-Paar seine natürlichen Reflexe und Instinkte entfalten und darauf vertrauen kann.

Allgemein hilfreiche Bedingungen für ein gelingendes Anlegen

  • Angenehme Umgebung und Atmosphäre, damit die Mutter sich entspannen und wohlfühlen kann
  • Hautkontakt und eine kurze Brustmassage helfen, den Milchfluss schneller in Gang zu bringen
  • Bequeme Sitz- oder Liegeposition der Mutter
  • Verschiedene Kissen in Griffnähe und/oder ein Stillkissen können unterstützen
  • Wenn die Mutter sitzt, kann ein Fußschemel hilfreich sein
  • Idealerweise bestimmt das Baby die Zeit des Saugens an der Brust (Baby-led-feeding) und lässt selbst die Brust los
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    © P. Schütz
  • © P. Schütz

Intuitives Stillen

Intuitives Stillen ist die logische Folge des direkten ununterbrochenen Hautkontakts während der ersten Stunden nach der Geburt, in denen das Baby selbst zur Brust findet (lesen Sie dazu auch unsere Fachseite → Bonding und Self-Attachment). Sie ist die hilfreichste Stillposition für die ersten Tage und Wochen, sowohl in der Klinik als auch Zuhause.

Angeborene mütterliche und kindliche Intuition und Reflexe werden in dieser Position vermehrt aktiviert. So wie beim ersten Stillen direkt nach der Geburt kann das Baby die Brust selbst finden, andocken und saugen.

Intuitives Stillen senkt deutlich das Risiko für Wunde Mamillen in den ersten Tagen, wie in der Zwischenzeit auch durch Studien nachgewiesen werden konnte.

Bei zu viel Milch und einem starkem Milchspendereflex der Mutter kann das Intuitive Stillen über die ersten Wochen hinaus weiterhin Entlastung bieten, da die Schwerkraft hier dem Baby die Kontrolle über den starken Milchfluss erleichtert. Ebenso bietet sich diese Position für die langen Clusterfeeding-Phasen an und ist ein wichtiges Hilfsmittel in der Stillberatung bei unruhigen Babys, die sich schlecht anlegen lassen, sowie bei schwierigen Stillsituationen, z.B. Frühgeborenen, Late Preterm Babys, hypotone Kinder (Down-Syndrom) sowie bei kranken Kindern (z.B. Herzerkrankungen, Atemproblemen, LKG) (Walker 2023:293).

Intuitives Stillen – Biological Nurturing (Colson, 2012)

  • Halb aufrechte/ halb zurückgelehnte Lage der Mutter – das Baby liegt auf dem Oberkörper der Mutter (meist oberhalb der Brust), es passt sich den Körperkonturen der Mutter an und liegt flächig auf.
  • Das Baby nimmt intuitiv eine Haltung ein, die an einen kleinen Frosch erinnert: Arme und Beine sind gebeugt, die Körperinnenseite (Unterarme, Brust und Bauch, Ober- und Unterschenkel) sind im Kontakt mit dem Körper der Mutter. In dieser Position kann das Kind seine Reflexe optimal aktivieren.
  • Die Mutter kann dem Baby etwas Halt durch Abstützen unter den Füßen oder am Po geben. Rücken und Kopf bleiben frei, damit das Kind sich selbst zur Brust hinbewegen kann.
  • Die Schwerkraft unterstützt Mund-, Kiefer- und Zungenbewegungen.
  • Anlegeprobleme werden minimiert, das Kind öffnet den Mund weit, erfasst mehr Brustgewebe.
  • Die Oxytocinausschüttung wird erhöht.
  • Wenn das Baby in direktem Hautkontakt mit der Mutter ist, wird die Wirkung wird verstärkt – aber auch mit dünner Kleidung reagieren die Babys gut.
  • Dies ist die Stillposition der ersten Wahl für die ersten Tage und Wochen.

Lesen Sie dazu unseren Artikel in der Rubrik "Neues aus der Forschung":

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    © P. Schütz
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Weitere Stillpositionen

Allgemein sollte hier beachtet werden:
(Lauwers et al., 2027, Walker 2023; Lawrence & Lawrence, 2022)

  • Der Körper des Babys ist ganz der Mutter zugewandt, die Beugung im Hüftbereich des Babys ist wichtig. Ohr, Hüfte und Schulter bilden eine Linie
  • Die Mutter führt das Baby über den Rücken bzw. Schultergürtel
  • Das Baby blickt frontal zur Brust, der Kopf ist leicht nach hinten geneigt. Die Mamille zeigt in Richtung der Nase bzw. des harten Gaumens
  • Die Hände des Babys liegen mit der Handinnenfläche an oder auf der Brust
  • Der Kopf des Babys bleibt frei und sollte nicht zur Brust geführt oder gedrückt werden damit seine Fähigkeit, die Halswirbelsäule und den Nacken einzustellen, nicht beeinträchtigt wird und der Mund entsprechend weit geöffnet werden kann
  • Die Mamille liegt tief im Mund des Kindes, die Lippen des Kindes sind ausgestülpt und der Kiefer weit geöffnet. Kinn und Nase berühren die Brust
  • Die Brust wird bei Bedarf geformt ("Burger", "Big Mac" oder "Sandwich"), z.B. bei großen Brüsten. Dabei hält die Mutter ihre Brust im C-Griff: vier Finger liegen unter der Brust, der Daumen oberhalb. Es ist wichtig mit der Hand reichlich Abstand zur Areola halten, damit das Kind viel Brustgewebe erfassen kann.

Die typische Wiegehaltung, die man oft auf Plakaten oder in Zeitschriften als "normale Stillposition" sieht, ist für den Stillbeginn ungünstig. Sie führt häufiger zu wunden Mamillen und ist für unerfahrene Mutter-Kind-Paare die fehleranfälligste Position.

Deutlich günstiger sind die modizierte Wiegenhaltung oder "Frühchenhaltung" und die Rückenhaltung. Außerdem benötigen Frauen auch Anleitung zum Stillen im Liegen, das besonders für das nächtliche Stillen relevant ist.

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    Modifizierte Wiegenhaltung/ Frühchenhaltung © A. Bier
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    Rückenhaltung © A. Bier

Stillen im Liegen

  • Zum Stillen im Liegen benötigen viele Frauen zu Beginn etwas Übung. Es ist empfehlenswert, die Position immer wieder am Tag auszuprobieren, so dass sie schließlich auch nachts gut funktioniert.
  • Gemeinsames Schlafen von Mutter und Kind fördert das Stillen und kann durch umsichtige Planung des Schlafplatzes sicher gestaltet werden.
  • Das Baby liegt in direktem, engen Kontakt Bauch-an-Bauch und hat KEINE Stütze/Rolle o.ä. im Rücken, sondern wird nur durch die Hand der Mutter gehalten. Wenn Mutter und Kind eingeschlafen sind, wird das Baby von selbst auf den Rücken rollen.
  • Falls die Höhe der Mamille und des Baby-Munds nicht gut zueinander passen, kann die Brust z.B. durch ein gefaltetes Tuch unterlagert werden oder das Kind kann auf einer festen Unterlage (zusammengefaltetes Handtuch o.ä.) erhöht gelagert werden.
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  • © A. Bier

Lesen Sie dazu mehr auf unserer Fachseite → sicherer Babyschlaf

Besondere Stillsituationen

Kinder mit einem schlaffen Muskeltonuns, unzureichender Zungenbeweglichkeit, Saugschwäche, Herzfehler oder Gaumenspalten können beim Stillen durch den sogenannten DanCerHold (entwickelt von Sarah Coulter Danner und Prof. Edwards R. Cerutti) unterstützt werden.

Diese Positionierung ermöglicht es dem Baby, den Kopf, das Kinn und den Kiefer in der richtigen Lage zu halten, damit es seine Kräfte auf das Saugen konzentrieren und die Milch besser in den Mund fließen kann.
Dabei sitzt der Säugling im "Hoppe-Reiter-Sitz" auf dem Schoß der Mutter. Die Brust wird von unten im C-Griff gehalten, der freie Zeigefinger bildet mit dem Daumen ein “U“. Der untere Teil der Hand stützt das Kinn des saugenden Babys (das Kinn liegt auf der Verbindung zwischen Zeigefinger und Daumen auf), Daumen und Zeigefinger liegen seitlich an den Wangen auf und stützen diese.

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    DanCerHold: Baby im Hoppe-Reiter-Sitz © R. Grill
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    Die Finger unterstützen die Wangen des Babys © R. Grill

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