Europäisches Institut für Stillen und Laktation

Milchstau, (subakute) Mastitis und Brustabszess in der Stillzeit

Die EISL-Fachinformationen werden regelmäßig überprüft und ergänzt.
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 6/2022

Häufig auftretende Probleme in der Stillzeit

Milchstau oder Mastitis gehören zu den häufigsten Problemen in der Stillzeit und gehen meist mit einer belastenden und schmerzhaften Erfahrung einher. Daher ist es besonders wichtig, schnelle und effektive Maßnahmen zu ergreifen und die Mutter in dieser Phase einfühlsam zu unterstützen.

Wenn Brustprobleme wie Milchstau oder Mastitis auftreten, äußern Frauen oft den Wunsch nach einem raschen Abstillen. Während der akuten Krise wäre Abstillen allerdings kontraindiziert und würde die Situation verschlimmern. Die Mutter benötigt daher Unterstützung beim Überwinden der Krise und zugleich die Gewissheit, dass sie nach Abklingen der Mastitis fachlich kompetent beim Abstillen begleitet und unterstützt wird, sofern sie noch immer den Wunsch danach haben sollte.

Wichtig zu wissen: Das Weiterstillen in der akuten Phase gehört zu den wichtigsten therapeutischen Maßnahmen und ist unproblematisch für das Kind. Eventuell notwendige Medikamente können so gewählt werden, dass sie stillverträglich sind.

Die seit 2013 in Deutschland existierende AWMF-Leitlinie zur Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit befindet sich derzeit in Überarbeitung. Hier finden Sie den Link zum Original (es sind viele wichtige neuere Erkenntnisse noch nicht aufgenommen): → AWMF-S3-Leitlinie "Therapie entzündlicher Brusterkrankungen in der Stillzeit"

Ganz aktuell hingegen ist das ABM-Protokoll Nr. 36 ("Mastitis-Spektrum"), das als gute Grundlage für Standards weltweit gelten kann. Wir haben im Juni 2022 dieses Protokoll zusammenfassend auf Deutsch für den EISL-Newsletter vorgestellt: → Neues ABM-Protokoll N. 36: Mastitis-Spektrum

Milchstau

Ein Milchstau kann als lokal begrenzte Stelle oder als Schwellung und Rötung einer ganzen Brust auftreten.
Typischerweise ist der Stau die Folge von ineffektivem oder zu seltenem Entleeren der Brust und kann in allen Phasen der Stillzeit auftreten. Eine Stillpause oder gar ein Abstillen sind kontraindiziert, die Situation würde nur schlimmer werden! Dass die Milch ins Fließen kommt, ist wichtiger Teil der Therapie.

Eine strenge Unterscheidung zwischen einem Milchstau und einer beginnenden Mastitis ist nicht immer möglich, der Übergang fließend. Grundsätzlich gilt: je früher Gegenmaßnahmen ergriffen werden, umso rascher kann der fortschreitende Verlauf gestoppt werden.

Symptome

  • Lokal begrenzte druckempfindliche Verhärtungen in verschiedenen Bereichen der Brust, besonders häufig im oberen, äußeren Quadranten
  • Mäßige, diffuse oder umschriebene Rötung, Überwärmung
  • Erschwerter Milchspendereflex durch Schmerzen und Stauung

Ursachen

  • Schlechtes Stillmanagement, zu seltenes oder ineffektives Saugen, inkorrekte Anlegetechnik
  • Stress, Erschöpfung, Schmerzen ⇒ Erschwerter Milchspendereflex (insbesondere wenn Frauen häufig wiederkehrend Milchstau haben, sollte hier genauer hingesehen werden)
  • Übermäßige Milchbildung (Hyperlaktation), manchmal iatrogen verursacht durch zusätzliches oder exzessives Pumpen
  • Milchbläschen (Milkblister)
  • Stoß- oder Druckeinwirkung, Verletzung mit Hämatombildung

Prävention

  • Intuitives Stillen als erste Wahl, alternativ: Modifizierte Wiegehaltung, Rückenhaltung und Stillen im Liegen
  • Korrektes Anlegen: Brust wird effektiv gefasst, viel Brustgewebe im Mund des Kindes ⇒ guter Milchfluss und Prävention gegen wunde Mamillen
  • Unlimitiertes Stillen nach Bedarf, häufiger und ausgedehnter Haut-zu-Hautkontakt zwischen Mutter und Kind
  • Beachten der frühen Stillzeichen, bei Bedarf Wecken eines schläfrigen Babys
  • Unterstützung/Entlastung für die Mutter organisieren, um Ruhepausen (auch gemeinsam mit dem Baby) zu gewährleisten
  • Starken Druck auf die Brust durch zu engen BH oder ungünstig sitzende Tragehilfen vermeiden

Therapie

  • Sanftes Lockern des Brustgewebes vor dem Anlegen und während des Stillens
  • Häufiges Anregen des Milchflusses durch das Baby, schläfriges Baby wecken
  • Korrektes Anlegen überprüfen, evtl. Unterkiefer des Babys in Richtung des betroffenen Areals ausrichten/ Stillposition verändern
  • Bei unzureichender Anregung des Milchflusses durch das Baby, Unterstützung durch Handgewinnung, ggf. Milchpumpe
  • Viel Ruhe und Entspannung, möglichst Bettruhe
  • Vor dem Stillen feuchte Wärme (warme Kompressen, Dusche), wenn es der Mutter angenehm ist
  • Intervallmäßige Kälteanwendung nach dem Stillen, wenn es der Mutter angenehm ist (kalte Wickel, Cold-Pack aus dem Kühlschrank, Kraut- oder Quarkwickel – alles nur Kühlschranktemperatur, keine Anwendung von Gefriergut, keine Alkoholumschläge!)
  • Bei Bedarf stillverträgliche Schmerzmittel (Ibuprofen als Mittel der ersten Wahl): auf ausreichend hohe Dosierung achten, in regelmäßigen Abständen einnehmen, um einen Spiegel aufzubauen
  • Bei wiederkehrenden lokalen Verhärtungen: Vitamin C als Tagesdosis, Lecithin 3x1200mg/Tag, wenig tierische Fette, Koffein/Teein meiden

UNBEDINGT BEACHTEN

• Keine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr!
• Keine Prolaktinhemmer, keine Stillpause, kein Abstillen!

Eine deutliche Besserung sollte innerhalb der ersten 24 Stunden, spätestens nach 48 Stunden eintreten. Wenn dies nicht der Fall ist oder hohes Fieber auftritt, ist der Übergang zur Mastitis erreicht und eine ärztliche Konsultation ist notwendig.

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    Lokaler Milchstau, evtl. durch Druck auf das Gewebe – © K. Frischknecht
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    Verstopfter Milchgang – © R. Merkelbach

Mastitis

Eine Mastitis kann infektionsbedingt durch Eintritt von Keimen in die Brust oder stauungsbedingt durch Behinderung des effektiven Milchflusses entstehen. Wunde, offene Mamillen begünstigen den Eintritt von Keimen und führen häufiger zu einer bakteriellen Mastitits. In 90% der Fälle ist Staphylokokkus aureus der verursachende Erreger, in ca. 10% Streptokokken und andere Keime.

Das gesunde, natürliche Mikrobiom der Brust, ist gestört und es können sich Keime anreichern, die zu den typischen Symptomen führen. Wir unterscheiden heute zwischen "klassischen" Mastitiden mit Entzündungszeichen, die größtenteils durch eine Infektion mit toxinbildenden Bakterien (meist Staph. aureus) verursacht werden, und sogenannten "subakuten" Mastitiden, bei denen koagulase-negative Bakterien die Überhand gewonnen haben. Diese Keime bilden keine Toxine aus, daher fehlen die typischen Entzündungszeichen. Lesen Sie mehr zur subakuten Mastitits im unteren Abschnitt dieser EISL-Fachseite:

Risikofaktoren

Eine Mastitis entwickelt sich selten ohne vorher bestehende Problematik. Sie wird begünstigt durch:

  • wunde Mamillen und deren inadäquate Behandlung
  • verstärkte Initiale Brustdrüsenschwellung und deren ineffektive Behandlung
  • ineffektiv behandelter Milchstau, unzureichend behandelte vorangegangene Mastitiden (Gefahr von Rezidiven)
  • Hypergalaktie/ Hyperlaktation, teilweise iatrogen verursacht durch zusätzliches oder exzessives Pumpen
  • inkorrekte Anwendung von Stillhütchen, Pumpen oder anderen Hilfsmitteln
  • Brust-Trauma, strukturelle Probleme der Brust (Anomalien, Zysten, Z.n. Brust-Operationen etc.)
  • Erschöpfung, Stress, niedriger Immunstatus
  • Fehlende Hygiene (Handhygiene in der Klinik! insbesondere bei offenen Mamillen)
  • Antibiotikagabe während der Geburt (Odds Ratio 1.53) (Ledger & Blaser, 2013)

Symptome

  • Starke Schwellung, harte Brust
  • Starke Schmerzen, schlechter Allgemeinzustand der Mutter
  • Grippeähnliche Symptome, Kopf- und Gliederschmerzen
  • Meist schnell ansteigendes hohes Fieber, Schüttelfrost
  • In der Regel scharf begrenzte Rötung des betroffenen Gebiets, bei länger andauernder Entzündung typische Orangenhaut (Achtung Differentialdiagnose: Orangenhaut kann auch ein Hinweis auf Mamma-Carzinom sein – bei atypischem Verlauf/ fehlender Besserung unter Antibiose immer Abklärung!)
  • In schweren Fällen deutliches Infiltrat tastbar, starke Rötung, sehr berührungsempfindlich. Besonders häufig ist der obere äußere Quadrant befallen.

Prävention

Es gelten diesselben präventiven Maßnahmen wie im Abschnitt "Milchstau" aufgeführt. Die beste Prävention liegt in der Vermeidung von Milchstau und wunden Mamillen.
Wenn offene Wunden an der Mamille vorliegen, ist unbedingt auf gute Handhygiene und ein adäquates Wundmanagement zu achten!

Zum Weiterlesen:

Therapie

Ursachenforschung ist wichtig, um eine adäquate Behandlung einzuleiten und Rezidive zu verhindern.

Abstillen ist nicht indiziert und kann die Situation dramatisch verschlimmern! Zugleich erhöht sich dadurch das Risiko für eine nachfolgende Abszessbildung.

KONSERVATIVE MAßNAHMEN:

  • Anregung eines effektiven Milchflusses durch das Baby, spätestens alle 2 - 3 Stunden – schläfriges Baby wecken
  • Wenn nötig, Milchgewinnung per Hand oder mit einer Milchpumpe, Ziel ist regelmäßige Entlastung der Brust, kein "Leerpumpen"
  • Durch die Stauung besteht die Gefahr des Rückgangs der Milchbildung, daher trägt häufiges Stillen auch zum Erhalt der Milchproduktion für die Zeit nach der Krise bei
  • Strenge Bettruhe, möglichst viel Haut-zu-Hautkontakt mit dem Baby, Trinken nach Durstgefühl (keine Einschränkung der Flüssigkeitsmenge!)
  • Verabreichung eines stillverträgliches Analgetikums (Ibuprofen ist Mittel der ersten Wahl – zugleich entzündungshemmende und abschwellende Wirkung). Auf ausreichend hohe Dosierung achten, in regelmäßigen Abständen einnehmen, um einen Spiegel aufzubauen
  • Neuere Forschungen zeigen, dass der Einsatz von Probiotika sich bei Mastitiden als sinnvoll erweist, um das gesunde Mikrobiom der Brust zu unterstützen.

Normalerweise ist nur eine Brust betroffen. Bei einer beidseitigen, gleichzeitig auftretenden Mastitis (sehr selten!) sind in der Regel ß-hämolysierende Streptokokken sowie Staphylokokkus aureus und Haemophilus influenzae, die vom Kind auf die Mutter übertragen werden, verantwortlich. Für diesen speziellen Fall wird in in der Literaur immer wieder eine Stillpause von 24 - 48 Stunden empfohlen – in der Praxis sollte eine Absprache mit der behandelnden Pädiater:in stattfinden. Die Mutter muss in jedem Fall antibiotisch behandelt werden, über eine Mitbehandlung des Kindes entscheidet die Kinderärzt:in.
Falls eine Stillpause empfohlen wird und die Möglichkeit zur Pasteurisierung besteht, kann die Muttermilch pasteurisiert verfüttert werden.

ANTIBIOSE:

Falls nach 12 - 24 Stunden unter konservativen Maßnahmen keine deutliche Besserung eintritt, ist von einer bakteriellen Mastitis auszugehen und ein stillverträgliches Antibiotikum in ausreichender Dosierung und Dauer ist indiziert. Bei Müttern mit sehr heftigen Symptomen und plötzlich sehr hohem Fieber kann auch direkt mit der Antibiose begonnen werden.

Auch bei rezidivierenden Verläufen darf die Antibiose nicht verzögert werden.

Geeignet sind stillverträgliche Staphylokokken-wirksame Antibiotika, Mittel der 1. Wahl sind Cephalosporine. Bei Verdacht auf Streptokokken kommt auch Penicillin in Frage. Eine ausreichend lange Antibiose (10 - 14 Tage) ist notwendig, um die Gefahr von Rezidiven zu minimieren und somit auch dem Risiko für einen Brustabszess vorzubeugen.

Bei schweren Verläufen kann ein klinischer Aufenthalt mit i.v.-Antibiose erforderlich sein. Dazu sollte das Baby selbstverständlich mit aufgenommen- und die Mutter beim Weiterstillen unterstützt werden.
Die ABM (Acadamy of Breastfeeding Medicine) hat 2021 ein neues Protokoll zum Schutz des Stillens während eines Klinikaufenthalts von Mutter oder Kind heraus gegeben. Lesen Sie dazu mehr in unserer Anlage zum →  EISL-Newsletter von Oktober 2021.

Unbedingt beachten: Gesunde Kinder können uneingeschränkt weitergestillt werden, es bestehen keine Bedenken bezüglich einer bakteriellen Belastung der Milch. Da jedoch der Natrium-Gehalt unter der Mastitis stark ansteigt, kann sich der Geschmack der Milch verändern.
Einen Muttermilchkultur ist nur bei kleinen Frühchen oder kranken Kindern sinnvoll, da in diesem Fall bei hohen Keimzahlen oder Problemkeimen eine Stillpause oder das Pasteurisieren der Milch überlegt wird.

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    Mastitis als Folge der infizierten, offenen Mamille – © G. Nindl
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    Orangenhaut bei Mastitis – © Ch. Marmet

Subakute Masitis

In den letzten Jahren kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass es sich bei der in der Vergangenheit häufig als "Soor der Milchgänge" interpretierten Mastitis (auch bezeichnet als "Soormastitis"), nach heutigen Erkentnissen tatsächlich um eine bakterielle Mischinfektion handelt. Dabei fehlen die klassischen Symptome einer Entzündung (Rötung, Überwärmung) oder Allgemeinsymtome (Fieber, Krankheitsgefühl). Statt dessen zeigen sich spezifische lokale Symptome, wie z.B. brennende, stechende Schmerzen in der Brust.

Durch eine Dysbiose der Brustdrüse (Mammary-Dysbiosis) wird das Wachstum von pathogenen Keimen verstärkt und eine subakute Mastitis begünstigt.
Typischerweise wird sie durch koagulase-negative Bakterien wie z.B. Staph. epidermis oder Strept. salivarius verursacht. Diese produzieren im Gegensatz zu Staph. aureus keine Toxine (welche für die lokalen Entzündungszeichen der klassischen Mastitis verantwortlich sind). Stattdessen kommt es zu einer Entzündung des Epithels in den Milchgängen und zu einer Verdickung des Biofilms. Die daraus resultierende Verengung des Lumens übt Druck auf das umliegende Epithel aus, was zu den charakteristischen stechenden und brennenden Schmerzen führt.
Inzwischen ist nachgewiesen, dass Candida albicans in gemischten Biofilmen mit Bakterien vorkommt, nicht aber primär die Ursache der Beschwerden ist. Das gleichzeitige Auftreten von Bakterien und Pilzen könnte eine entscheidende Rolle bei der lokalen Symptomatik darstellen.

Symptome

  • Tief stechende oder brennende Schmerzen in der Brust, teilweise in die Achselhöhle oder den Rücken ausstrahlend
  • Symptome während des Stillens oder auch nach dem Stillen, oft beginnend mit dem Einsetzen des Milchspendereflexes
  • Kann von Symptomen eines Soors im Bereich der Mamille begleitet sein (lesen Sie dazu mehr auf der EISL-Fachseite → Wunde Mamillen in der Stillzeit
  • Häufig in Kombination mit einem Milchbläschen/ Milkblister anzutreffen
  • Stauungsgefühl, Rückgang der Milchmenge
  • Veränderung der Milchzusammensetzung (Natrium erhöht)
  • Risiko für die Entwicklung einer chronisch rezidivierenden Mastitis

Mikrobiom der Brust

Wie bereits seit vielen Jahren bekannt, verbinden enteromammäre Leitungsbahnen die Brustdrüse mit dem Darm. Dies beeinflusst die Zusammensetzung der Muttermilch. Ebenso hat das Mikrobiom des Darms auf diese Weise Einfluss auf das Mikrobiom der Brustdrüse. Es ist interindividuell variabel und verändert sich auch im Verlauf der Laktation. Einfluss haben außerdem der Geburtsmodus, das mütterliche Gewicht und die Ernährung der Mutter.

In jüngster Zeit mehren sich wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass auch die Einnahme von Probiotika Einfluss auf das Mikrobiom der Brust nimmt. Dies könnte künftig einen vielversprechenden Ansatz in der Therapie von Mastitiden, Brustschmerzen und rezidivierenden Problemen darstellen. Darüber hinaus können sie zur Unterstützung des natürlichen Mikobioms in der Brust eingesetzt werden.

Vorgehensweise bei Verdacht auf subakute Mastitis

  • Differentialdiagnostik: Ausschluss und Therapie anderer Ursachen für die Schmerzen in der Brust, insbesondere Ausschluss eines Vasospasmus
  • Vorgehen nach→ ABM-Protokoll Nr. 26 ("Anhaltende Schmerzen beim Stillen") und → ABM-Protokoll Nr. 36 ("Mastitis-Spektrum")
  • Empathische und wertschätzende Begleitung, gerade auch vor dem Hintergrund dass man "nichts sieht"
  • Obwohl der Einsatz von Probiotika derzeit (noch) nicht in den Leitlinien verankert ist, gibt es deutliche Hinweise, dass das Mikrobiom der Brustdrüse positiv beeinflusst und damit die Schmerzen verringert werden können (Lactobacillus salivarius und Lactobacillus fermentum). Ebenso sind in der Literatur positive Auswirkungen langkettiger Fettsäuren auf die Brustgesundheit beschrieben – gesunde Ernährung und z.B. Einnahme von Nachtkerzenöl können unterstützend wirken.

Therapie

Wann ist die Behandlung mit einem Antibiotikum angemessen?
– Wenn die Schmerzen sehr stark sind oder zunehmen
– Wenn schon über längere Zeit verschiedene Therapien ausprobiert wurden
– Bei unzureichendem Behandlungserfolg mit Probiotika

Antibiose:
– Dicloxacillin oder Flucloxacillin 10 - 14 Tage (ABM-Protokoll Nr. 36, 2022; Walker, 2022:525)
– Cephalexin mindestens 10 - 14 Tage (ABM-Protokoll Nr. 36, 2022; Core Curriculum, 2019:326)
– Clindamycin für 10 - 14 Tage (ABM-Protokoll Nr. 36, 2022; Lawrence 2022:586)
– Erythromycin, niedrig dosiert über mehrere Wochen
– Vancomycin bei MRSA
– Erste Informationen bei Kombination von Mammary Dysbiose mit MRSA und Milkblister:
Daptomycin, Dalbavancin (1-2 Dosen i.v.)

Einsatz von Probiotika als Alternativen oder Ergänzung zur Antibiotika-Therapie:
– Lactobacillus fermentum CECT 5716
– Lactobacillus salivarius CECT 5713
– Ligi Lactobacillus salivarius PS2

Laut M. Walker scheint die Einnahme von Lactococcus lactis und Curcumin-Creme aufgetragen auf die schmerzenden Stellen die Staphylokokken-Belastung der Milch zu reduzieren.

Die Diagnose Subakute Mastitis kann nur mittels mikrobiologischer Analyse gestellt werden. Leider fehlen nach wie vor standartisierte Protokolle für die Sammlung, Lagerung und Analyse der Milchproben. Weiteres werden involvierte Mikroorganismen in der Regel nicht als pathogen eingestuft.
Trotzdem ist es sinnvoll vor der Antibiotikagabe eine Milchprobe einzuschicken und ein Antibiogramm erstellen zu lassen. Wenn die Ergebnisse vorliegen, kann bei Bedarf die Behandlung entsprechend geändert werden.

Differentialdiagnose Mammary Constriction Syndrom

Das Mammary Constriction Syndrom entsteht vermutlich durch Verspannungen der Brustmuskuslatur. Betroffene Frauen verspüren Schmerzen nach dem Stillen (Stechen - Brennen - "wie Feuer" - "wie Scherben") und haben Schmerzen im Schulter- Nackenbereich.

Behandelt wird das Mammary Constriction Syndrom durch:
- Dehnen, Strecken, Bewegung
- Massagen
- Osteopathie

Wir berichteten über dieses Phänomen bereits in unserer → Anlage zum Newsletter von Oktober 2014, lesen Sie dazu die erste Seite des PDFs.
Im März 2021 hielt Gabi Andres, IBCLC, einen Vortrag auf unserer EISL-ONLINE-Fachtagung. Ihre Folien hat sie im Anschluss freundlicherweise zur Verfügung gestellt, diese finden Sie auf der → Nachlese-Seite zur Fachtagung.

Brustabszess

Die Entwicklung eines Brustabszess ist im Allgemeinen die Folge von zu spät einsetzender, unzureichender oder falscher Therapie einer Mastitis (beispielsweise fehlendes häufiges Anlegen, unsachgemäße Brustmassage). Darüber hinaus zählen wunde, offene Mamillen zu den weiteren Risikofaktoren. Häufig zeigt sich nach vorangegangener Mastitis ein roter Fleck auf der Brust, meist ohne weitere allgemeine Entzündungszeichen wie Fieber.

Der Abszess, ein mit Eiter gefüllter Hohlraum, ist ein abgekapselter Bereich und steht nicht in Verbindung mit dem Drüsengewebe oder den Milchgängen. Die Diagnose wird durch eine Ultraschalluntersuchung gesichert.

Symptome

  • Verhärtete Stelle ("Knoten"), die sich beim Stillen nicht verändert
  • Persistierende lokale Entzündungszeichen
  • Abgekapselte Gewebseinschmelzung
  • Zunehmender Druckschmerz
  • Fieber kann auftreten, aber auch ohne Fieber kann sich ein Abszess entwickeln
  • Häufig rezidivierende Milchstaus und offene Mamillen in der Anamnese

Therapie

  • Eröffnung des Abszesses: sonographisch gesteuerte Punktion, das Punktat sollte bakteriologisch untersucht werden, um die passende Antibiose auszuwählen. Die Punktion muss mehrfach wiederholt werden, durchschnittlich 1 - 4 Mal
  • Begleitende, ausreichend lange orale Antibiose als Standardtherapie
  • Eine Inzision wird nur durchgeführt, wenn unter o.g. Therapie eine klinische Verschlechterung bzw. keine Besserung eintritt, oder bei großen Abszessen. Die Schnittführung erfolgt möglichst weit entfernt von der Areola, um die regelmäßige Milchgewinnung zu ermöglichen.
  • Inzision mit Gegeninzision (und Einlage einer Lasche) ist heute obsolet
  • Eine wirksame Schmerztherapie ist notwendig
  • Die Milch ist bakteriologisch unbedenklich und auch an der betroffenen Brust kann weitergestillt oder abgepumpt werden
  • Wenn der Schnitt nahe an der Areola gesetzt werden muss, wird bis zum Ausgranulieren der Abszesshöhle (ca. 4 - 6 Tage) nur an der gesunden Brust gestillt, die betroffene Seite wird sanft abgepumpt oder manuell per Hand gewonnen, bis das Stillen wieder möglich ist
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    Sichtbarer Abszess, nahe der Mamille – © E. Unterberger
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    Spontan selbst eröffnender Abszess – © T. Juppe-Schütz

Manchmal maskiert ein vermeintlicher Abszess die Entwicklung eines Mammacarzinoms, zudem sind auch andere Brusterkrankungen, die nicht mit der Laktation in Zusammenhang stehen, jederzeit möglich. Jeder persistierende Knoten in der Brust muss auch während der Stillzeit abgeklärt werden.

Beachten Sie dazu auch die folgenden beiden Artikel:

Stillen fördern

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